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3D Dot Game Heroes

3D Dot Game Heroes

Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt. Das was From Software hier gezaubert hat, fällt eindeutig in diese Kategorie. Denn 2D, dass gilt als altmodisch, eben nicht mehr zeitgemäß. Deswegen hat 3D Dot Game Heroes ja auch drei Dimensionen. Auch wenn die Liebe zum Pixel bleibt.

Ist es jetzt dreist oder genial? Ein abschließendes Urteil habe ich mir dazu irgendwie noch nicht bilden können. Klar, lieber gut geklaut als schlecht neu erfunden. Aber {3D Dot Game Heroes} hat sich ja nicht einfach nur hier und da bedient. Nein, es ist ein ziemlich offensichtlicher Klon. Dann greift man natürlich zum Original, denkt vielleicht der eine oder andere. Aber genau da liegt das Problem. Das Original ist von 1992.

{3D Dot Game Heroes} erzählt die Geschichte des 2D-Königreichs Dotnia, das vor langer Zeit von einem legendären Helden gerettet wurde. Das Reich war danach in aller Munde und erfreute sich großer Beliebtheit. Nachdem jedoch der Ruhm verblasste und Besucher wegblieben, beschloss der König kurzerhand umfassende Reformen. Dotnia sollte mit der Zeit zu gehen und wurde in die dritte Dimension gehievt. Die Einwohner haben sich noch nicht einmal so richtig eingelebt, da tauchen schon ernste Problem auf. Das Dark Orb wurde gestohlen und die Rückkehr des dunklen Königs droht...

Großes Unheil bricht über das Königreich Dotnia. Ein böser Bischof scheint für alles verantwortlich zu sein.

Und wenn ich jetzt erzähle, dass diese Geschichte von einem bösen Bischof eingefädelt wurde und das sechs farbige Kugeln gefunden werden müssen, die mit den Nachfahren jener Weisen verbunden sind, die damals den dunklen König ein für alle Mal versiegeln wollten... vielleicht macht es an dieser Stelle Klick. "Inspiriert" ist {3D Dot Game Heroes} nämlich ganz offensichtlich von {The Legend of Zelda: A Link to the Past}. Und ja, die Prinzessin, die alles wieder ins Lot bringen wollte, ist inzwischen auch verschwunden. Nur heißt sie Iris und nicht Zelda.

Wer erkläre möchte, was in {3D Dot Game Heroes} alles an das Überspiel vom Super Nintendo erinnert, würde vermutlich eine halbe Ewigkeit brauchen. Aber es sind unendlich viele kleine Orte und Charaktere, die sich ungewöhnlich vertraut anfühlen. Kaum erblickte ich ein Huhn, war ich versucht, es zu schlagen und tatsächlich, nach ein paar gezielten Treffern, kam sie, die große Schar an Hühnchen, die Rache üben wollte.

Aber im Grunde ist es mehr oder weniger das Spiel als Ganzes, das sich wie einziger Klon spielt. Das fängt bei der Oberweltkarte an, die verblüffende Ähnlichkeiten aufweist, hangelt sich an Gegenständen wie dem Bumerang, Pfeil und Bogen oder Flaschen entlang und endet beim simplen Fakt, dass auch {3D Dot Game Heroes} so etwas wie Herzen und Herzteile bietet - auch wenn sie hier Äpfel heißen. Auch die Pegasus-Stiefel haben es als einfache Dash Boots ins Spiel geschafft. Und ja, sogar die Gegner sind eine relativ genaue Pixel-3D-Umsetzung ihrer zweidimensionalen Vorbilder.

Viele Orte wirken seltsam vertraut. So als hätte man sie in einem anderen Spiel schon mal gesehen...

Pixel-3D, dass übrigens ist der Stil, den From Software für ihr Action-Adventure ausgewählt haben. Die Pixel-Blöcke sind weiter deutlich zu erkennen, nur wurde aus einem Pixel eben ein Quadrat und damit das super umgesetzt werden konnte, hat man auf Voxel gesetzt. Falls jemand nicht weiß, was sich dahinter verbirgt, spielt das auch keine Rolle. In jedem Fall ist das Ergebnis sehenswert kantig. An manchen Stellen wirkt die Optik zwar mehr wie eines der Lego-Abenteuer und ein wenig zusätzliche Farbe hätte vielleicht auch zu einem besserem Retro-Erlebnis beigetragen, aber insgesamt ist alles trotzdem hübsch.

Mit der Umstellung auf 3D ergeben sich übrigens auch für die Bewohner von Dotnia ganz neue Fragen. Ist eine Flamme in 3D heißer und verbrennt man sich daran mehr? Und bei der ganzen Schönheit gibt es ja auch eine Menge Arbeit. Es ist nämlich viel schwieriger in 3D für Ordnung zu sorgen, schließlich ist ja plötzlich viel mehr sichtbar. Jaja, HD-Dreck macht einen ganz üblen Eindruck. Aber da die Kamera weiterhin fest steht, ist es kein Problem, den Dreck einfach in den toten Winkel zu schieben. Aber korrekt erkannt, so richtig ernst nimmt sich {3D Dot Game Heroes} dann doch nicht.

Und trotz der vielen Anleihen ist es natürlich am Ende kein wirklicher Zelda-Klon. Einerseits werden auch andere Klassiker zitiert beziehungsweise persifliert. Anderseits lässt sich eine wirklich besondere Note beispielsweise am Avatar ablesen, mit dem man durch die Welt wandert. In einem Editor können die Klötzchen selbst zusammengebaut werden. Ob man nun einen kleinen Pixel-Link baut oder nur einen Blumentopf durchs Feld schickt - die Entscheidung liegt bei uns. Einige vorgefertigte Avatare für die bequemen Spieler sind auch dabei.

Das Schwert ist übrigens auch eher ungewöhnlich. Ist die Lebensenergie voll aufgefüllt, schlägt man mit einer mördermäßig großen Klinge zu. Und wem das nicht reicht, der kann sie noch erweitern. Breite, Länge und Schlagkraft auf dem Maximum enden so schnell für alle Gegner in der Nähe tödlich. Vor allem, wenn nützliche Extras wie der Rotationsangriff oder Durchbohrung aktiviert werden. Kreisrund schlagen wir dann munter durch alle Hindernisse einfach hindurch und treffen auch Gegner, die sich hinter einer Wand befinden.

So ein Schwert kann ganz schön groß werden und dabei vielen Monstern eins auf den Latz geben.

Wer allerdings auch nur ein halbes Herz verliert, dem schrumpft das Schwert und er wird plötzlich von der Härte des Spiels überrascht. Denn mit einem normal großen Schwert muss man sich plötzlich dichter an Gegner heranwagen, muss blocken oder vielleicht doch lieber die Flucht ergreifen. In Dungeons führt der Verlust von einem Herz schneller zum Tod, als einem das lieb ist. Wie gut, dass man nach dem Tod gleich wieder am Eingang des Dungeons mit aufgefüllter Lebensenergie steht. Naja, fast gut zumindest, denn eine Trophäe gibt es ausgerechnet dafür, das Spiel ohne Bildschirmtod zu überstehen.

Etliche Schwert-Varianten stehen zu Verfügung, alle haben unterschiedlich Ausbaumöglichkeiten und Ausbaupotenzial. Um sie wirklich alle zu finden, liegt einiges an Arbeit vor einem. Wie schon bei den vielen Vorbildern von damals stecken etliche Aufgaben und Geheimnisse im Spiel - verborgene Höhlen, Tauschgeschichten mit den Bewohnern verschiedener Regionen und so weiter. Und es lohnt sich nicht nur wegen der Schätze, die sich finden lassen - beispielsweise ein Schwert, dass wie ein Fisch ausschaut - sondern auch wegen des Humors. Ein Riss in der Wand, klar, da wird sie aufgesprengt. Dahinter jedoch wartet kein Schatz, sondern nur eine Gebühr, die der Höhlenbewohner verlangt, weil seine schöne Wand hinüber ist.

Die Dungeons übrigens sind ebenfalls Zelda-mäßig mit vielen kleinen Rätseln gespickt. Nichts wirklich komplexes, aber ausgestattet eben mit solchen Kleinigkeiten, die schon {The Legend of Zelda: A Link to the Past} auszeichneten. Sich durch Löcher fallen lassen, um einen unerreichbaren Raum zu erreichen, Steine schieben, um Schalter auszulösen und so weiter. Wenn man den - Tah-Da! - großen Schlüssel gefunden hat, geht es zum Endboss, der sich auch jedes Mal ordentlich gewaschen hat. Denn gerade hier hilft so ein aufgepowertes Schwert allein auch nicht weiter. Ohne ist der Kampf aber nahezu aussichtslos. Doch ein bisschen anspruchsvoll darf es ja ruhig auch einmal sein.

Die Endbosse machen manchmal ganz schön zu schaffen. Dieser hier streckt immer mehr Tentakel aus dem Wasser.

Das gilt auch für die drei kleinen Minispielen, die in {3D Dot Game Heroes} eingearbeitet sind. Ein etwas hakeliges Tower Defense, eine Art Breakout, das ziemlich schwierig zu meistern ist und ein nervenaufreibendes Sprintspielchen. Wer es schafft diese drei Spielehappen zu schlagen, der verdient Respekt. Aber wie es eben so oft ist, sind solche kniffligen Angelegenheiten ja auch nicht für alle gemacht, sondern nur für diejenigen, die sich wirklich richtig reinhängen. Genau wie jene, die in {The Legend of Zelda: A Link to the Past} alle Herzteile gesammelt haben (- ich habe das irgendwie nie auf die Reihe bekommen).

Ja, dieses Spiel ist schon der reine Wahnsinn. Überall an jeder Ecke warten sie, die kleinen Spitzen, mit denen einem {3D Dot Game Heroes} immer wieder ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Selbst die Musik ist so unfassbar "klassisch", dass die Ohren schmerzen und man trotzdem nicht aufhören kann, ihr weiter zu lauschen. Schade ist lediglich, dass es keine deutschen Bildschirmtexte gibt. Einige Spieler schreckt das möglicherweise ab.

07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
humorvoll, Pixel-3D, viele Geheimnisse, Retro
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die Musik ist sehr speziell, nur englische Bildschirmtitel