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Joe Danger

Joe Danger

Wer braucht heutzutage eigentlich noch klassische Publisher, wenn digitale Plattformen alles bieten, was man braucht. Weg von den zehn Millionen Dollar teuren Produktionen hin zu kleinen Projekten mit überschaubaren Teams. Das ist ein Weg, wie ihn gerade unabhängige Entwickler vorantreiben. Mit Erfolg.

Karriereknick. Ganz unten. Aber Aufgeben kommt nicht in Frage. Er will es noch einmal wissen. Endlich soll es wieder positive Schlagzeilen über den Motocross-Star {Joe Danger} geben. Also Helm auf, rauf aufs Bike und ab auf die Piste.

Die Jungs machen keinen Hehl daraus, dass {Joe Danger} ein wenig an Excitebike erinnert. Und Nintendo wäre wohl dankbar, wenn das kleine Team von Hello Games sich um ihr Baby gekümmert hätte. Denn anders als das mäßige {Excitebike: World Challenge} ist {Joe Danger} kein müder Abklatsch der alten Tage, sondern ein bisschen was von allem was Spaß macht und dabei trotzdem irgendwie einzigartig.

Bei den klassischen Rennen erinnert es sehr an Excitebike - nur eben in HD.

Der kleine Rennfahrer Joe greift nämlich tief in die Trickkiste und variiert die Spielerfahrung mit den verschiedenen Leveln und Aufgaben. Die klassischen Rennen gegen andere Kontrahenten zum Beispiel sind zweifelsfrei mit Nintendos Retro-Racer vergleichbar. Nur eben in HD. Geht es aber beispielsweise darum - welch eine Ironie der Geschichte - versteckte Sterne zu finden, entwickelt {Joe Danger} durchaus Jump'n'Run-Charakter.

Vielleicht kennt das ja sogar der eine oder andere Motocross-Fan, wer er versucht, mit dem Bike durch einen Hindernisparcour zu wandeln. Die Hand mit Gefühl zwischen Gasgeben und Bremsen. Bei {Joe Danger} sind diese Passagen insgesamt nicht so stark ausgeprägt. Denn meist geht es dann doch eher um flotteres Tempo. Und das fühlt sich ja auch viel besser an. Da dürfen die kleinen Geschicklichkeitsübungen nicht zum Bremsklotz werden.

Viel öfter erinnert das Spiel daher etwas an {Crazy Taxi}. Aufgaben bewältigen und die Zeit im Auge haben. Zum Beispiel, wenn man Münzen unter enormen Zeitdruck sammeln soll. Die Biester sind gerade in den späteren Rennen so verteilt, dass man die Strecke schon sehr gut kennen muss, um erfolgreich zu sein. Die Strecke besteht aus drei Spuren und kommt man eine Gabelung, bei der die gewechselt werden kann, sollte vorher klar sein, wohin die Reise geht.

Es ist kein großes Geheimnis, durch welche Spiele {Joe Danger} inspiriert wurde. Neben Excitebike und {Crazy Taxi} nennen die Jungs von Hello Games immer wieder auch {Trials HD} oder Klassiker wie Paperboy, Unirally und Trackmania. Letzteres beispielsweise taucht vor allem auch wegen des Level-Editors auf, der dem Spiel spendiert wurde. Die Level können zwar nur direkt mit Freunden und nicht öffentlich geteilt werden. Gelungen ist den Jungs trotzdem ein simples Werkzeug, um todesmutige Freunde herauszufordern.

Überall lauern Gefahren: Hier muss Joe Danger aufpassen, dass er nicht plattgemacht wird.

Todesmutig? Klar, sonst würde es ja auch nicht {Joe Danger} heißen. Auf der Strecke gibt es Haifischbecken, Schulbusse (leider brennen sie nicht), Stachelbänder und allerlei andere tückische Fallen. Gut fährt man dann, wenn man diesen nicht nur einfach durch einen Sprung ausweicht, sondern mit kleinen Spielereien ergänzt, um den Turbo aufzuladen und die Punktzahl in die Höhe zu treiben.

Der Schub des Turbos hilft beim Erreichen bestimmter Sterne - wie etwa dem Überqueren der Ziellinie nach einer vorgegebenen Zeit. Die Punktzahl wiederum ist das vergleichende Element im Spiel. Einen guten Platz in der Highscore-Liste, die es lokal für die Konsole und online für Freunde und den ganzen Rest der Welt gibt, schafft man nur mit möglichst vielen, waghalsigen Techniken. Dinge wie Drehungen bei Sprüngen, die Hände vom Lenker nehmen oder aber nur noch die Hände am Bike haben oder ein Handstand als komplexere Darbietung für richtig viele Punkte. Wird alles elegant miteinander kombiniert, gibt es obendrauf noch einen Multiplikator.

Und an dieser Stelle kann {Joe Danger} auch richtig fies werden. Bestimmte Medaillen etwa gibt es nur dann, wenn man eine Strecke ohne Unterbrechung mit solchen Techniken abschließt. Zwar ist es theoretisch relativ einfach, das Vorderrad einfach oben zu halten und so die Aufgabe zu bestehen. Jedoch gibt auch solche Abschnitte, in denen man damit nicht weit kommt. Dann zum Beispiel, wenn eine lästige Hürde auf der Strecke steht. Im besten Fall wird noch verlangt, dass etwa alle Ziele auf dem Weg ins Ziel getroffen werden. Die sind in der Regel auf dem Boden und müssen bei Sprüngen getroffen werden.

Jaja, schon wieder so ein Element, das das Spiel so absurd erscheinen lässt. Nichts, was nun völlig neu und innovativ ist. Aber es gibt sie eben auch, die Level, in denen es darum geht, unter Zeitdruck Münzen zu sammeln, geheime Sterne zu finden, Ziele zu treffen, D-A-N-G-E-R-Buchstaben einzusammeln und dann vielleicht das ein oder andere jeweils noch verknüpft an eine globale Zeitvorgabe für die gesamte Strecke oder aber die Pflicht, ohne Unterbrechung Tricks zu zeigen.

Münzen gegen die Zeit einsammeln - kein leichtes Unterfangen.

Natürlich kann man viele Aufgaben auch nacheinander erfüllen. Aber irgendwie, das kriegt {Joe Danger} mit schier unfassbarer Leichtigkeit hin, liegt die persönliche Herausforderung eben doch darin, möglichst viel gleichzeitig zu bewältigen beziehungsweise am Ende auf einer Strecke alle Sterne komplett abzuräumen. Es ist ja nicht so, dass man meint, nach zwei Stunden Zähneausbeißen genug zu haben, die beiden offenen Sterne einfach links liegen zu lassen und sich der nächsten Strecke zu widmen. Nein, nein, denn man war ja so unglaublich kurz davor. Es muss zu schaffen sein und dann wird das auch geschafft.

Die "Koste es was es wolle"-Momente sind es, bei denen schnell vergessen wird, dass es sich bei {Joe Danger} um einen Download-Titel handelt. Dazu die hübsche, bunte Grafik, die netten Soundeffekte und alle Texte komplett in Deutsch. So gesehen sind die rund 13 Euro eigentlich ein Schnäppchen. Schade ist nur, dass der Mehrspielermodus nur offline im Splitscreen am Start ist. Allerdings war das ja früher auch nicht anders.

09 Gamereactor Deutschland
9 / 10
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macht süchtig, leicht zugänglich, trotzdem anspruchsvoll, Strecken-Editor, hübsche Präsentation
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wenig Abwechslung bei Optik und Sound, kein Online-Multiplayer