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Alpha Protocol

Alpha Protocol

Alpha Protocol hat lange, lange auf sich warten lassen, aber in diesem Sommer werden wir hoffentlich die Früchte der Arbeit von Obsidian Entertainment endlich genießen dürfen. Auf der GDC gab es neue Einblicke.

Der Grundgedanke von {Alpha Protocol} war faszinierend genug, um unsere Aufmerksamkeit zu halten während der langen Periode, die das Spiel bereits in der Entwicklung verbringt. Denn statt das Action-Rollenspiel in einer Fantasy-Welt oder einem Sci-Fi-Setting zu platzieren, entschied sich Obsidian für die internationale Welt der zeitgenössischen Spionage. Nice.

Man muss es als eine Art {Mass Effect} betrachten, nur dass Commander Shepard durch Michael Thorton ersetzt wurde, einem von seinen Vorgesetzten im Stich gelassenen Agenten, der darauf mit dem {Alpha Protocol} reagiert. Das heißt, er will seinen Namen reinwaschen und dabei die bösen Jungs auseinander nehmen. Alternativen und Allianzen, Konsequenzen und vielschichtige Charaktere - es ist ein bisschen so wie ein guter James Bond-Film funktioniert. Und wo Bioware sich dafür entschieden haben, die RPG-Elemente in {Mass Effect 2} zu minimieren, haben sie bei Obsidian ihr Baby vollgepackt mit Fähigkeiten, Statistiken und reichlich Ausrüstung zum Rumspielen.

Michael Thorton selbst ist deutlich inspiriert von dem, was Obsidian als die drei JB's bezeichnet: James Bond, Jason Bourne und Jack Bauer. Eine coole Mischung, keine Frage. Thorton braucht nun neue Verbündete in einer Welt, wo er ist ziemlich auf sich alleine gestellt ist.

Ein verratener Geheimagent mit einer Mission: den eigenen Namen reinzuwaschen.

Im Gespräch mit Associate Producer Matthew Hickman auf der GDC wurde uns verraten, dass die Entscheidung, das Spiel im letzten Herbst zu verschieben, ausschließlich von geschäftlichen Gründen motiviert war. {Alpha Protocol} war im Prinzip fertig gestellt, aber Sega wollte es lieber im ruhigeren Sommer als im hektischen Herbst veröffentlichen. Eine vermutlich kluge Entscheidung, denn so hatten sie bei Obsidian reichlich zusätzliche Zeit fürs Aufpolieren. Und dieser Glanz hatte gerade früheren Titeln des Entwicklers beim Launch tatsächlich eher gefehlt.

Im Vergleich zur E3-Version des Titels hat sich viel getan. Damals jedenfalls waren wir leider eher unangenehm überrascht. Die Grafik war nur mittelmäßig, der Held wirkte flach und das Setting des gezeigten Levels phantasielos. {Alpha Protocol} verschwand von einem oberen Plätze auf der Liste der sehnsüchtig erwarteten Titel. Wenig wahrscheinlich war es damals, dass das Spiel noch etwas Denkwürdiges würde abliefern könnne.

Und dann kam die GDC-Überraschung. Das gesamte Interfacedesign ist nun deutlich slicker und die Grafik wurde sichtbar verbessert, auch wenn {Alpha Protocol} immer noch kein echter Hingucker ist. Vor allem aber gab es Elemente der Geschichte zu sehen, die nachhaltig faszinierend sind.

Mehrere verschiedene Mittelteile statt der sonst üblichen diversen unterschiedlichen Enden - {Alpha Protocol} erzählt seine ganz eigenen Geschichten.

Das Spiel hat mehrere verschiedene Mittelteile statt der sonst üblichen diversen unterschiedlichen Enden. Dies gilt sowohl für die Geschichte, den Dialogs als auch für die Kämpfe. Die Art des Geschichtenerzählens, die Chris Avellone und sein Team nutzen, ist brillant. Zwischen den Missionen sehen wir Sequenzen aus der Zukunft, wo Michael Thorton über seine Motive für die Mission ausgefragt wird, die wir bald spielen werden. So können wir als Spieler unsere Motive und Handlungen für eine zukünftige Situation bereits in der Gegenwart wählen. Danach wird das Spiel in diesen Szenen dann in Echtzeit gespielt, im Gegensatz zu den Flashbacks, die wir die meiste Zeit über in {Alpha Protocol} spielen. Ein ganz neuer Ansatz, der die Entscheidungen, die wir machen müssen, auf überzeugende und sinnvolle Art und Weise integriert.

Wir durften den Variantenreichtum der Möglichkeiten in einer Szene sehen, die in Rom spielt, irgendwann mitten im Spiel. Michael trifft sich mit einer Frau namens Madison, mit der er in einer Variante der Szene am Ende im Bett landet, während er in einer anderen einfach von ihr niedergeschlagen wird. Dies waren die beiden extremsten möglichen Ergebnisse dieser Szene. Aber die Beziehungen zu Charakteren im Spiel lassen sich wesentlich feiner auswählen mit verschiedenen Resultaten in diversen Durchläufen.

{Alpha Protocol} hat sich ein Comeback auf die Liste der sehnsüchtig erwarteten Spiele erarbeitet, nur wenige Monate vor seiner Veröffentlichung am 28. Mai. Wir haben volles Vertrauen, dass Obsidian eine lohnenswerte Geschichte abliefern werden, in der es nur an uns liegt, Michael Thortons ein geheimnisvolles Leben zu gestalten oder ihn einfach nur zu einem alten Sack werden zu lassen. Auf jeden Fall bringt {Alpha Protocol} frischen Wind ins Rollenspiel-Genre.

04 Gamereactor Deutschland
4 / 10