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Anodyne

Anodyne

Das Pixel-Abenteuer ist ein Geschenk für die Träumer vergangener Tage. Natürlich muss man es lieben, als Traditionalist sowieso.

1993 war ein gutes Jahr. Vor zwanzig Jahren erschien {The Legend of Zelda: Link's Awakening} für den Game Boy. Es ist bis heute eines der besten Action-Adventures für Handhelds und überzeugt durch seine interessante Handlung, seinen Witz und die großartigen Spielmechaniken. Es war die perfekte Inspiration für {Anodyne} - und so wurde aus dem Pixel-Abenteuer von Sean Hogan und Jonathan Kittaka ein kleines Meisterwerk.

Natürlich muss man es lieben. Pixel und Polygone sind zwei grundverschiedene Wertesysteme, die Generationen voneinander trennen. Wer mit dem Pixel groß geworden ist, wird es mehrheitlich heute noch ehren und pflegen. Die jüngere Generation hingegen kann mit den betagten Klassikern der Traditionalisten und ihren Nachfolgern nur wenig anfangen. Für die einen sind Pixel altbacken und rückwärtsgewandt, für die anderen einfach nur Liebe. Und obwohl die gute, alte Zeit inzwischen schon so lange her ist, gibt es noch immer genug Anhänger, die bedient werden wollen und sich über frisches Futter freuen.

{Anodyne} ist so ein Geschenk für die Träumer vergangener Tage. Entwickelt wurde es von Sean Hogan und Jonathan Kittaka im letzten Jahr und es greift die Sehnsucht nach den geliebten 16-Bit-Tagen auf. Damals gab es viele Perlen im Bereich Action-Adventure und Rollenspiel, die noch heute Herzen höher schlagen lassen. {Anodyne} hat als Rumpf ein Konzept, das durchaus {The Legend of Zelda: Link's Awakening} ähnelt. Wir bewegen unseren Helden über eine Karte, von der aus wir auch Dungeons betreten können. Wir lösen dabei kleine Rätsel, suchen Schlüssel und sammeln Gegenstände. Und auch die Orte vom Wald, dem Strand über das Dorf bis hoch in die Berge geben Hinweise auf das Vorbild.

Das Spiel ist ein Geschenk für die Träumer vergangener Tage, ein Lobgesang auf die 16bit-Ära.

Passend dazu ist auch die Handlung angelegt. Wir wandeln durch unser Unterbewusstsein und versuchen, dem eigenen Traum zu entkommen. Dazu gibt es Parallelen etwa zu {Secret of Mana} und Illusions of Time - übrigens auch beide inzwischen ziemlich genau zwanzig Jahre alt. Trotz allem ist {Anodyne} kein Plagiat. Enthalten sind nämlich nur Reminiszenzen, kleine Erinnerungen an eine große Zeit. Manchmal sind es Gegner, Situationen oder Mechanismen, die uns an Klassiker erinnern. An diesen Stellen müssen wir lächeln, weil natürlich gleich viel mehr hochkommt. Vor unserem Auge läuft alles noch einmal ab, die ganzen Zusammenhänge mit ihren tragischen, spannenden und schönen Momenten.

Fantastisch an {Anodyne} ist auch der völlig abgefahrene Humor. Das Spiel nimmt sich an vielen Stellen nicht zu ernst. Unsere Hauptwaffe etwa ist ein Besen, mit dem wir auch Schmutz aufnehmen und wieder abgegeben können. Es gibt Dialoge, die einfach so absurd sind, das wir nur mit dem Kopf schütteln und schmunzeln können. Manche Witze funktionieren nur für den, der das Original kennt. Und trotz der gut platzierten Lacher ist das Spiel ernst. Hier wird der Unterschied zu den erwähnten Inspirationen deutlich. Das Szenario ist unterm Strich dennoch viel zu unterschiedlich. {Anodyne} stellt uns Fragen, es bewegt uns - hinter all diesem Unsinn und der Nostalgie gibt es also so etwas wie Tiefe.

Was allerdings an {Anodyne} am meisten fasziniert, sind die Spielmechaniken. Jeder Dungeon verfügt über Eigenheiten, wie wir es etwa aus der {The Legend of Zelda}-Reihe kennen. Anders als aber bei Nintendo finden wir nicht ständig andere Gegenstände mit besonderen Eigenschaften. Fast alle Konzepte basieren auf Ideen, die an den Dungeon gebunden sind - etwa Windmaschinen oder Tempo-Pfeile auf dem Boden, die uns weiter springen lassen. Der Staub, den wir mit dem Besen aufnehmen können, kann übrigens auch dazu genutzt werden, um über Wasser zu schwimmen. Es gibt viele nette Ideen, die uns immer wieder überraschen.

Es ist viel Geschick nötig und manche Passagen werden einige sogar als frustrierend empfinden.

Bei so viel Licht gibt es natürlich auch Schatten. Von uns wird viel Geschick erfordert, wenn wir über Abgründe hopsen, Stachelwalzen ausweichen und über bröckligen Boden wandern. Es gibt Punkte, die ziemlich frustrierend sind und an denen wir oft sterben. Bestimmte Sprungpassagen sind einfach ziemlich kompliziert - vor allem durch die Vogelperspektive. In einer solchen Pixelwelt gibt es eben keine freie Kamera. Und dann gegen Ende wird einem wirklich noch einmal alles abverlangt. Viele dürfte dies anspornen, besser zu werden. Aber es gibt garantiert Spieler, die hier aufgeben, weil sie es unfair oder unmöglich finden.

Aber es ist eben auch einfach eine Frage danach, womit jeder einzelne groß geworden ist. Die angesprochenen Passagen wecken eben auch wieder Erinnerungen an einen anderen Nintendo-Titel, an den sich vermutlich nur wenige erinnern: Star Tropics. Früher waren Spiele frustrierender, weil sie eine ganz andere Erwartung an unser Geschick hatten und weil oftmals alles in einem Ruck durchgespielt werden musste. Immerhin ist {Anodyne} aber so modern, dass es durchaus faire Rücksetz- und Speicherpunkte gibt.

Die Spielzeit von {Anodyne} beträgt nur etwa sechs Stunden. Wir sammeln im Spiel spezielle Karten, von denen wir ein paar brauchen, um voranzukommen. Der Rest aber dient nur der Vervollständigung. Das Lüften dieser Geheimnisse macht auch nach dem Durchspielen noch Spaß und bei einem Preis von rund sieben Euro handelt es sich formal gesehen wohl eindeutig um ein Schnäppchen. Sean Hogan und Jonathan Kittaka dürfen sich jedenfalls auf die Schulter klopfen. Trotz kleinerer Ecken und Kanten ist {Anodyne} ein Action-Adventure, das die Herzen der Pixelfreunde höher schlagen lässt - optisch wie musikalisch.

08 Gamereactor Deutschland
8 / 10
+
hübsche Präsentation, clevere Ideen, interessante Geschichte, simples Spielprinzip, Verweise auf Klassiker
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zum Teil frustrierend