Binary Domain
Er wird reingezerrt von einer Gruppe Japaner. Der Typ mit dem Sack über seinem Kopf weiß offensichtlich nicht, was los ist. Charlie zwingt Dan Marshall hinzuschauen. Als die Japaner ihrem Gefangenen den Sack vom Kopf ziehen, stockt Marshall der Atem. Dem Mann fehlt ein Teil seines Gesichts, über dem linken Auge klafft ein riesiges Loch. Dahinter schimmert nur eines: Metall. Hier kniet ein Roboter, überzogen mit echter, menschlicher Haut. Einer der Japaner geht nah ran. Sehr nah. Und in den verspiegelten Gläser seiner Sonnenbrille sieht der verletzte Roboter sein Gesicht. Er sieht etwas, das er nicht versteht. Und flippt aus.
Der Typ ist ein Seelenloser. Ein Roboter, der glaubt, er wäre ein Mensch. Ein typisches Bild aus der Science Fiction, perfekt umgesetzt von Philip K. Dick in seinem Roman Träumen Androiden von elektrischen Schafen. Das Team um Masayoshi Kikuchi bei Sega hat sicher nicht nur diese Bücher durchgeblättert. {Binary Domain} ist ein Team-Shooter und eine in hohem Maße von seiner Geschichte getriebene Erfahrung. Und Team-Shooter stimmt auch nur insofern, dass in der Solokampagne ein Spieler mit diversen Gefährten unterwegs ist, zu denen er eine besondere, eine persönliche Beziehung aufbauen soll. Wir sollen "Vertrauen gewinnen zu den Protagonisten", wie es Kikuchi formuliert bei der Präsentation des Spiels.
Das Setting ist im Jahr 2080 in Tokio angesiedelt. Die Menschen sind von Umweltproblemen und Technologiefortschritt gebeutelt und Roboter, die wie Menschen aussehen, dürfen nicht mehr produziert werden. Das macht natürlich trotzdem jemand. Wir müssen nun im Auftrag einer Weltregierung herausfinden, wer dahinter steckt. Die Geschichte ist für knapp zehn Stunden Gameplay gut. Wer dann noch durchdrehen will, kann dies im No Mercy-Hardcoremodus tun.
Wir spielen als Dan Marshall, der gemeinsam mit dem Rust-Squad die Jagd auf die Wahrheit startet. Dan darf sich immer zwei Mitspieler zur Seite stellen. Gesehen haben wir Big Bo, Faye, Charlie und Rachael, eine bunte Mischung japanischer Vorstellungen von Amerikanern, Chinesen oder Engländern. Alle gehören einer bestimmter Klasse an, haben spezifische Fähigkeiten und Waffen. Und vor allem können wir mit ihnen reden, um ihre Beziehung zu uns zu beeinflussen.

Die fetten Levelendgegner sind wirklich schick geworden, sowohl ihr optisches als auch technisches Design überzeugt.
Und zwar tatsächlich so richtig reden, durchs Mikrophon des Headsets. Kinect oder Playstation Move werden nicht unterstützt und das Feature komplett testen durften wir leider nicht. Stattdessen mussten wir den Alternativweg gehen und die Konversation mit einem kurzen Tastendruck bestätigen. Das ist eher ungelenk gelöst, das Resultat ist aber identisch: Je nach Antwort steigt oder fällt das Vertrauen, was wiederum leicht den Spielverlauf und das Verhalten der Spieler beeinflusst.
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Dieses Konsequenzen-System ist das einzigartige Feature von {Binary Domain}. Wer seine Mitspieler beleidigt oder in sinnlose Situationen schickt, wird mit ihrer Missachtung gestraft. Befehle werden dann einfach ignoriert und das Spiel somit deutlich härter zu absolvieren. Also sollte man seine Antworten mit Bedacht auswählen. Denn wer die hohen Schwierigkeitsgrade wählt, wird ohne Flügelhilfe kaum eine realistische Chance haben, die fetten Levelendgegner-Roboter zu zerlegen.
Genau die sind übrigens wirklich schick geworden, sowohl ihr optisches als auch technisches Design überzeugt. Man muss die riesigen Spinnen oder Kampfroboter in Fallen locken, ihnen die Beine wegschießen oder ihnen aufs Dach steigen. Alle Gegner im Spiel lassen sich übrigens Bauteil für Bauteil auseinander ballern. Bisweilen sind totgeglaubte Roboter so hartnäckig, dass selbst ein Rumpf mit einem Arm und halbem Kopf noch angekrochen kommt und auf einen schießt. Das ist sehr cool gemacht.
Die Optik der Level ist hübsch, aber nicht aufregend. {Binary Domain} wirkt einerseits sehr japanisch, durch die Roboter und das Setting erinnert es etwas an {Vanquish}. Aber die Art der Charaktere ist trotz oder gerade wegen ihrer stereotypen Darstellung doch sehr westlich geraten. Manchmal drängeln sich die Mitspieler im Getümmel leider etwas zu sehr ins Bild. Und die Framerate des Spiels gerät schnell ins Stottern, wenn viel passiert im Bild, besonders auf der PS3. Im fertigen Spiel ist das hoffentlich nicht mehr der Fall.

Das Gameplay selbst ist konventionell wie bei jedem guten Third-Person-Shooter.
Ein Grund für das Stottern sind die schicken Spezialeffekte, die bei Anhäufung zu viel von den Konsolen fordern. Ab davon schmälern ein paar Kleinigkeiten den guten Gesamteindruck. Unser Held trägt zwar immer die korrekten Waffen mit sich rum, allerdings passt deren Gewicht nicht so richtig zur Größe, was in lustigen Zwischensequenzen mündet. In genau diesen Sequenzen verschwinden auch immer wieder unterwegs aufgenommene und mühsam mitgeschleppte Superwaffen, die dann einfach durch das Standardmodell ersetzt werden. Das ist echt doof. 30 Waffen sind im Spiel insgesamt verfügbar, konventionelle und eher absurde. An den Automaten der Ammunition Transit Japan sind neben Munition und Healthpacks auch diverse Verbesserungen für die Waffen verfügbar - etwa deren Feuerkraft, Kapazität, Reichweite, Präzision oder Schussrate.
Das Gameplay selbst ist konventionell wie bei jedem guten Third-Person-Shooter. Ein bisschen Gears of War, ein bisschen {Vanquish}, gepaart mit erweiterbaren Waffen und Nanotechnologie, die nach und nach die Eigenschaften der Protagonisten verbessert. Die Umgebung ist über mehrere Höhenebenen angelegt und teilweise zerstörbar, so dass Deckung selten lange Deckung bleibt. Das Leveldesign ist eher schlauchartig gehalten und mündet immer wieder in Arenen, wo etwas freier agiert werden darf.
Frei kämpfen ist auch bei den Bosskämpfen angesagt, wo es immer mehrere Wege zum Ziel gibt. Wer stirbt, kann sich selbst wiederbeleben und vorher noch im Todeskampf einem Roboter den Kopf abschießen, woraufhin der völlig verwirrt seine Kumpanen abschießt. Ein paar Quicktime-Events gibt's auch, dazu eher öde Rennspielpassagen in Bergbau-Loren und auf eigenartigen Jet-Skis. Vom Onlinemodus für bis zu zehn Spieler gab es nichts zu sehen. Der soll einige Koop-Missionen bieten und konventionelle Versus-Matches. Der Hauptkaufgrund dürfte er aber ohnehin nicht sein.
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