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Blacklight: Tango Down

Blacklight: Tango Down

Der Markt für digitale Spiele wächst, keine Frage. Einige Perlen gibt es bereits zu entdecken. Darunter sind auch Titel, die keinesfalls nur für den schnellen Spaß für zwischendurch konzipiert wurden. Blacklight: Tango Down will ebenfalls eine solche vollwertige Spielerfahrung bieten. Wir haben einen ersten Blick riskiert.

"Eigentlich ist es perfekt - frag' mal die Modern Warfare-Spieler wie viel Zeit sie tatsächlich im Singleplayer verbracht haben", wirft die Kollegin kurz ein. Dann starrt sie fasziniert weiter auf den Bildschirm und erkundet das im Moment noch leere Level. Mich braucht sie da nicht fragen. Ich kann den ganzen Hype um {Call of Duty: Modern Warfare 2} sowieso nicht verstehen. Dabei hab' ich nicht mal unbedingt ein Problem mit dem ausufernden Erfolg, sondern eher damit, dass mir das Spiel einfach nichts gibt.

Wir beiden sitzen vor {Blacklight: Tango Down}. Das ist ein kleiner, feiner Shooter ohne Schnickschnack. Veröffentlicht wird er für schmale 15 Euro lediglich in digitaler Form für Playstation 3, Xbox 360 und PC. Auf einen Einzelspielermodus wird gänzlich verzichtet, aber auch im Multiplayer konzentriert er sich auf Wesentliches. Billig soll es trotzdem nicht wirken, eher kompakt. Wie so ein Spiel auszusehen hat, das gibt Lead Game Designer Jared Gerritzen freiheraus zu, hat man sich durchaus von anderen Spielen abgeschaut. Ergänzt wurde das dann durch eigene Ideen.

Jared Gerritzen ist Lead Game Designer für {Blacklight: Tango Down} / Foto: text2express.de

Mit Shootern kennen sie sich eigentlich ganz gut aus bei den Zombie Studios. So entstand dort beispielsweise {America's Army 3} in Zusammenarbeit mit der US Army. Aber auch andere Projekte, die in den Bereich Serious Games fallen, wurden in den letzten Jahren gemeinsam entwickelt. Die Erfahrung zieht der Entwickler aus seinem guten Team. Leute von Zipper Interactive ({Socom}, {MAG}), Gearbox Software ({Borderlands}) und Monolith Productions ({F.E.A.R.}, Condemned) sind beispielsweise mit dabei. Sie alle teilen den Traum von einem grundsoliden Shooter, der schnell ist, Spaß macht und auf den man sich auch ohne jahrelanges Werkeln freuen kann.

Optisch sieht {Blacklight: Tango Down} für die relativ kurze Entwicklungszeit von knapp einem Jahr wirklich schick aus. Nicht perfekt, aber trotzdem über dem sonst so üblichen Mittelmaß. Gespielt wird entweder zwei gegen zwei im Koop-Modus oder man tummelt sich mit bis zu sechzehn Spielern im reinen Multiplayer. Zwölf verschiedene Karten gibt es, kleine für vier Spieler, mittlere und große für bis zu sechzehn Spieler. Wer schon mit {Lead and Gold: Gangs of the Wild West} geliebäugelt hat, wird da vielleicht hellhörig. Der Titel bot nämlich nur sehr wenige Karten an, was für einen Shooter dann schnell den Todesstoß bedeuten kann.

Eine weitere Stärke sind die anpassbaren Waffen. Zu den sechs Grundtypen gehören Pistole, Schrottflinte, Maschinenpistole, Sniper-, Sturm- und schweres Maschinengewehr. Die können nach und nach stark an die eigenen Spielbedürfnisse angepasst werden. Welchen Lauf soll die Waffe haben, welches Zielfernrohr, Mündung und so weiter. Am Ende soll es Millionen von Möglichkeiten geben, wie sich die Waffen spielt beziehungsweise wie sie ausschaut. Die Charaktere bieten nicht die gleiche Vielfalt. Aber beim Anspielen hat mich das gar nicht weiter gestört. Meine Teamkameraden waren mit ihrem Benutzernamen gekennzeichnet und der Rest war sowieso nur Kanonenfutter.

Das Spiel ist futuristisch angehaucht, ohne sich weit von der Gegenwart zu entfernen.

Ein Jahr ist der Titel inzwischen in der Entwicklung. Parallel wird an einem Comic und einem Film gearbeitet. Beides soll das Spiel auch inhaltlich stützen. Denn auch ohne Einzelspielermodus, Zwischensequenzen und dem ganzen Zeugs hat es eine Geschichte zu erzählen - wenn auch eine etwas ausgefallene. Man ist Teil einer Spezialeinheit des Blacklight-Kommandos, um gegen die als The Order benannten Feinde vorzugehen. Allerdings kommt schnell raus, dass in der Krisenregion ein Virus ausgebrochen ist, der die Menschen in Zombies verwandelt hat, die wiederum gelernt haben mit Maschinenpistolen umzugehen.

So wirklich darüber nachdenken braucht man aber nicht, denn im Spiel geht es ohnehin mehr um handfeste Action. Wichtig ist der Hintergrund auch nur, um sich in das Setting des Spiel hineinzufühlen. Die leicht fantastisch angehauchte Welt liegt nur unweit in der Zukunft. Gerade so greifbar wie es vielleicht eine Mischung aus {Killzone} und Halo ist. Klar, es gibt den Hyper Reality Visor, mit dem man für einige Sekunden durch Wände schauen kann, um Freunde und Feinde örtlich zu peilen, aber umgekehrt stammen andere Elemente wie die Waffen eben doch aus der Jetztzeit.

Die Zombie Studios haben diesen Mittelweg gewählt, weil sie eben nicht irgendeinen Nullachtfünfzehn-Shooter im Nahen Osten oder noch schlimmer, zur Zeit des Zweiten Weltkriegs ansiedeln wollten. Und das Universum, was sie mit {Blacklight: Tango Down} aufspannen, weiß wirklich zu gefallen. Der klassische Shooter bekommt so die Prise Frische, die ihn am Ende möglicherweise von der Standardware abhebt.

Würde er seinen Hyper Reality Visor nutzen, wüsste er, dass er bereits erwartet wird.

Genau dieser Gedanke, etwas Besonderes zu schaffen, findet sich aber auch in anderen Teilen des Spiels wieder. Freigeschaltet werden mit der Zeit beispielsweise Waffen-Tags, die einzigartige Kräfte und Fertigkeiten ermöglichen. Daneben gibt es Charakterklassen, die hinsichtlich von Eigenschaften wie Geschwindigkeit oder Rüstungsklasse angepasst werden können. Das ist vielleicht keine große Innovation. Aber immerhin hat man mitgedacht und nun kann sich jeder nach und nach seinen optimalen Helden formen.

Die Erfahrungspunkte, mit denen das realisiert wird, sind übrigens auch Teil eines Belohnungssystems, das Teamplay fördern soll. Punkte gibt es nämlich nicht nur für das Erfüllen der aktuellen Spielaufgabe, sondern auch für das Versorgen von Mitspielern mit Munition beziehungsweise das allgemeine Zusammenspiel mit ihnen. Auch ein Rangsystem wird über diese Punkte integriert.

Gespielt habe ich auch zwei der sieben Mehrspielermodi. Eins war das klassische Deathmatch, bei dem die beiden Fraktionen um die meisten Kills ringen. Das andere nannte sich Dominion und war quasi eine Art Capture the Flag. Aber auch hier wieder eine pfiffige Idee: Statt die kleinen Radar-Stationen einfach per Klick zu erobern, muss ein kleines Merkspiel absolviert werden. Saubere Idee, unter Stress noch schnell ein Hoch-Runter-Rechts-Links-Spielchen einzuschieben. Verklickt, Verklickt und plötzlich Kopfschuss durch den Feind, der einen derweil erfasst hat.

Auf die Frage, warum es eigentlich keinen Solomodus gibt, sondern man sich so sehr auf den Mehrspielerpart konzentriert, beantwortet Jared Gerritzen relativ knapp. Es gäbe schon sehr viele gute Spiele in dem Bereich, aber gerade der Downloadmarkt sei unterversorgt. Und er ergänzt: "Battlefield ist auch schon wieder eine ganze Weile her, da ist es Zeit für ein neues, großartiges Spiel."

Jede Karte hat ihre eigene Besonderheiten und wird sich anders anfühlen.

Außerdem gibt ja ersatzweise den Black Ops-Modus, der kooperatives Spielen für bis zu vier Spieler ermöglicht. In diesem Modus kann man während des Erfüllens von strategischen Missionen ebenfalls Erfahrungspunkte sammeln. Und es ist auch der Teil des Spiels, der zumindest ein wenig über die Hintergrund von {Blacklight: Tango Down} verrät. Anspielbar war dieser allerdings noch nicht. Daher gibt es noch keinen Eindruck von der KI und dem Versprechen, dass sich die Missionen auch bei mehrmaligen Durchspielen durch wechselnde Vorgehensweisen der KI ändern würden.

Angefixt bin ich trotzdem. Schlicht und trotzdem vollwertig fühlt es sich an. Und schnell. Natürlich fehlte mir noch Training, um mein Agieren zu optimieren. Es gibt beispielsweise Minen, die ein EMP-Feld erzeugen und damit den Visor kurzzeitig ausfallen lassen - Hightech mit Bluescreen, großartig. Damit hätte ich vielleicht den ein oder anderen Gegner noch abschütteln können, als die Energie knapp wurde. Ja, irgendwie fühlt es sich alles sehr rund an, was da auf uns zu kommt. Und vielleicht wird es sogar perfekt, wie die eingangs zitierte Kollegin schon meinte.

Genauso kann der Titel natürlich auch scheitern. Wie gut funktioniert das Teamplay tatsächlich oder ist am Ende doch nur jeder für sich und seinen Platz in der Rangliste unterwegs? Das bleibt eine berechtigte Frage. Und das auf eine integrierte Unterstützung von Clans verzichtet wurde, macht ihre Beantwortung nicht leichter. Da nützt am Ende die ganze hübsche Optik auf Konsole und ausdrücklich auch auf PC nichts. Ein Spiel muss Spaß machen - und das auch nicht nur ein paar Stunden.

04 Gamereactor Deutschland
4 / 10