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Kritiken
Dillon's Rolling Western

Dillon's Rolling Western

Nintendo will den digitalen Vertriebswegen mehr Aufmerksamkeit schenken, ohne ihr Profil für Qualität zu verlieren. Mit Dillon's Rolling Western bringen sie einen Titel, den sie vermutlich früher noch in den regulären Handel geschoben hätten. Das Spiel bietet bei einfacher Unterhaltung trotzdem die nötige Tiefe. Die Richtung stimmt also.

Nintendo hat inzwischen ein gutes Näschen dafür, wie sie den Onlinemarkt nutzen können. {Dillon's Rolling Western} etwa macht eine Menge wirklich richtig. Der Hauptcharakter, ein Gürteltier, wirkt ziemlich sympathisch. Der Schauplatz und die Hintergrundgeschichte sind kurzweilig, das Spielprinzip ist einfach zu begreifen und besitzt dennoch genug Tiefe, die über mehrere Stunden fesseln kann. Sogar die Präsentation scheint immer nur einen Kurs zu kennen: originell und hochwertig.

Nein, Nintendo will nichts dem Zufall überlassen und was Entwickler Vanpool für die Japaner zusammengebastelt hat, verdient wirklich das Qualitätssiegel, dass man von dem Unternehmen gewohnt ist. Vor dem Hintergrund eines Westerns schlüpfen wir in die Rolle eines stillen Rangers, der durch die Lande zieht, um sich ein wenig Geld zu verdienen. Hilfe ist bitter nötig, denn merkwürdige Kreaturen greifen die Tiere und Dörfer an. Unsere Aufgabe ist es, diese zu verteidigen und dafür nicht nur ein Sicherheitskonzept aus Wachtürmen zu entwickeln, sondern auch selbst Hand anzulegen.

Auch wenn der Vergleich mit dem Tower Defense-Genre vermutlich nicht der passendste ist, bietet {Dillon's Rolling Western} deutlich mehr. Die Level sind offen und wir erkunden sie rollend mit unserem Helden Dillon. Das Gürteltier muss die Landschaft und Minen nach verschiedenen Materialien absuchen, die helfen Geld zu sammeln oder die Verteidigung aufzubauen. Außerdem kann er Beobachtungs- und Wachtürme an festinstallierten Orten aufbauen, verstärken oder sie reparieren und Wachtürme mit Waffensystemen versehen.

Wir bewegen das Gürteltier durch große 3D-Level und bauen Verteidigungslinien auf.

Die für das Genre üblichen Wellen werden bei {Dillon's Rolling Western} dadurch gekennzeichnet, dass wir einen Ort über drei Tage verteidigen müssen, wobei die Zahl und die Stärke der Gegner mit jedem Tag zunimmt. Und weil die Zeit fest vorgegeben ist und auch im Hintergrund weiterläuft, ist der Titel recht temporeich. Wir müssen uns beeilen, die Karte abzusuchen und alles zu erledigen, was wir wollen. Im Gegenzug bleibt die Spielzeit kalkulierbar, was es gerade für unterwegs zum idealen Zeitvertreib macht.

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Nun ist die Besonderheit, dass es neben dem strategischen Teil auch action-orientierte Spielmechaniken gibt. Das Herumrollen mit Dillon durch die 3D-Landschaft dient nicht nur der Optik, sondern ist Programm. Mit dem Stylus oder unserem Finger bringen wir das Gürteltier in Fahrt und bestimmen die anfängliche Rollrichtung. Gelenkt wird anschließend mit dem Schiebepad. Wenn es Nacht wird und Monster die Stadt angreifen, müssen wir mit unseren Rollangriffen die Monsterhorden aufhalten, denn den Türmen gelingt es nicht, alle Angriffe abzuwehren.

Gegner können in Arenen direkt bekämpft werden und dafür sind manchmal Spezialattacken nötig.

In kleinen Arenen gilt es, möglichst zügig die verschiedenartigen Monster zu stoppen und dafür auch auf Spezialattacken zurückzugreifen. Wenn Angriffe miteinander zu einer Kette gekoppelt werden, sind wir noch effektiver und damit noch schneller. Und die Zeit ist wie bereits beschrieben kostbar, denn der Angriff auf die Dörfer erfolgt in Echtzeit. Und manchmal müssen wir die schwere Entscheidung treffen, ob wir einen Turm retten, der dem Angriff kaum noch standhält oder aber das Dorf gerade wichtiger ist.

Der Grafikstil von Charakteren und Umgebungen erinnert ein wenig an die {The Legend of Zelda: The Wind Waker} beziehungsweise die entsprechenden Abenteuer auf dem Nintendo DS, die diesen Stil aufgegriffen haben. Auch bei der Musik werden Erinnerungen wach. Es ist eine schöne Erfahrung, die die Ansprüche an Nintendo-Qualität unterstreicht. Saturo Iwata selbst gab die Prämisse aus, dass man der Downloadshop-Konkurrenz von Apple, Google & Co. nur mit Qualität begegnen könne.

Genau diese Qualität hat dann auch ihren Preis. Für zehn Euro ist der Titel im Eshop erhältlich. In kleinen Dosen, immer mal zwischendurch, ist der Stress erträglich, den {Dillon's Rolling Western} mit der knapp bemessenen Zeit erzeugt. Aber am Stück spielt sich der Titel weniger gut und der ständige Druck sowie die sich wiederholenden Spielmechaniken nerven etwas. Aber das Spielkonzept ist trotzdem auf eine lange Spieldauer ausgelegt und man wird den Titel immer wieder mal in die Finger nehmen. Und wenn es nur darum geht, die Punktzahl in einem alten Level zu verbessern.

{Dillon's Rolling Western} bietet ein schönes, eigenständiges und abwechslungsreiches Spielkonzept. Früher hätte Nintendo so etwas vermutlich in den Handel gestellt und dafür deutlich mehr Geld verlangt. So gesehen ist der Preis fast günstig. Der Umfang stimmt, nur der Spielspaß ist durch das monotone Spielprinzip etwas in Frage gestellt. Ein gutes Spiel bleibt es dennoch, aber die Euphorie fällt nach dem fantastischen {Pullblox} etwas geringer aus.

07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
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hübsche Grafik, unterhaltsames und passendes Konzept, umfangreich
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hoher Preis