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Evolve

Evolve

Es ist nicht die Evolution, die in den Lehrbüchern beschrieben wird. Turtle Rock Studios neuer Monster-Klatscher ist trotzdem so stark, dass er mehr als nur überleben wird.

Die Turtle Rock Studios hatten mit den Left-4-Dead-Titeln echte Hits gelandet. Dass hat den steinigen Weg des neuen Titels {Evolve} aber nicht erleichtert. Nachdem der ursprüngliche Publisher THQ 2012 Insolvenz anmelden musste, sicherte sich 2K Games die Rechte und gab dem asymmetrischen Egoshooter die Chance, zu wachsen und zu dem Spiel zu werden, dass heute nach dem heißesten Multiplayer-Titel des Jahres aussieht.

Zum ersten Mal gezeigt wurde {Evolve} im Februar, auch wir waren dabei. Dabei wurde das Grundprinzip von der ersten Sekunde an klar und ungeschönt an den Mann gebracht: Es geht um 4-gegen-1-Mehrspieler-Matches, wobei vier Spieler gemeinsam ein großes Monster in die Knie zwingen müssen, das mit der Zeit größer und stärker wird. Monster und Team sind dabei echte Spieler.

Interessanterweise ist das Monster im Vergleich zu den Jägern zu Beginn stark im Nachteil. Anfangs kann es nur um sein Leben rennen und sich verstecken. Mit verstreichender Zeit verleibt sich das gefräßige Ungetüm die Tiere der Umgebung ein und sammelt so Evolutionspunkte. Diese wiederum erlauben es ihm, sich zu dem zu entwickeln, was für die Jäger zum wahren Albtraum wird.

Die begrenzte Zeit und die immer immenser werdenden Kräfte des Monstrums führen unausweichlich zu einem dramatischen, oft explosiven Finale.

Während des dritten und finalen Levels seiner Evolution hat sich die Situation dann vollkommen gedreht: Die Jäger werden zu Gejagten. Zu diesem Zeitpunkt erhält das Monster Nebenziele, etwa das Zerstören bestimmter Orte auf der Karte. Ein einzelnes Match dauert in der Regel weniger als 20 Minuten - und dabei läuft die Zeit gegen das Monster. Denn wenn die Uhr am Ende auf Null steht und beide "Teams" ihre Ziele nicht vollenden konnten, feiern die Jäger ihren Sieg. Die begrenzte Zeit und die immer immenser werdenden Kräfte des Monstrums führen unausweichlich zu einem dramatischen, oft explosiven Finale.

Nun haben wir in Los Angeles noch einmal einen genaueren Blick auf {Evolve} gewerfen. Dazu gab es endlich auch Infos zu der Story hinter dem Spiel. {Evolve} spielt in den Tiefen des Weltraums auf dem Planeten Shear, den die Menschheit gerade erst zu kolonisieren beginnt. Diese Bemühungen werden jäh durch das Auftauchen gefährlicher Monster unterbrochen, die drohen, alles bisher Erreichte zu zerstören. Die einzige Lösung scheint, ein Team unterschiedlicher Söldner und Hunter zusammen zu stellen. Diese sollen ausziehen und die Bedrohung eliminieren. Gleichzeitig müssen sie in Erfahrung bringen, woher die Kreaturen eigentlich stammen.

Turtle Rocks Mitgründer und Game Designer Phil Robb bestätigt, dass {Evolve} eine Art Story-Kampagne haben wird. Der Fokus wird aber klar auf dem Multiplayer liegen, Einzelspieler sollen aber auch auf ihre Kosten kommen. Das bedeutet natürlich im selben Atemzug, dass es Bots geben wird ebenso wie selbst gestaltete Spielmodi. Die Charakterklassen und die Anzahl der Spieler können allerdings nicht verändert werden. Die Monster müssen sich also hinten anstellen - immer eines nach dem anderen!

Der Feueratem von Goliath richtet aus nächster Nähe immensen Schaden an und macht verdeckte Jäger sichtbar.

Im dunklen Hotelzimmer im sonnigen Santa Monica spielen an wir an zwei Abenden für je drei Stunden und erhalten dazu Einblicke in einige weitere Matches. Bevor wir nämlich selbst Hand anlegen, werden uns die vier neuen Hunter und eine neue Map namens The Dam präsentiert. Letztere überzeugt mit einer riesigen Wasserkraftanlage und einer von Wasser durchzogenen Felsschlucht darunter. Die schlechte Nachricht ist, dass die Hauptattraktion noch nicht öffentlich gezeigt werden durfte - wir haben also keine neuen Monster gesehen. Gestellt haben wir uns dem chaotischen Geschehen also als Monster "nur" in der Haut von Goliath.

Man soll ein Buch nicht nach seinem Einband beurteilen. Er mag nicht so aussehen, aber für Turtle Rock-Standards ist Goliath eher ein Durchschnittsmonster. Die träge Erscheinung täuscht, denn Goliath ist schnell - beim Weglaufen ebenso wie beim Angriff. Sein Feueratem richtet aus nächster Nähe immensen Schaden an und macht verdeckte Jäger sichtbar. Rush-Attack eignet sich wunderbar in engen Korridoren und ein gut platzierter Schlag reißt den Gegner mehr als aus den Socken. Andererseits ist Goliaths Fähigkeit zu schleichen, ohne Spuren zu hinterlassen, extrem wichtig für den Spieler, der ihn kontrolliert. Weil sich die Gesundheit nicht regeneriert, hat das Vorteile am Ende des Spiels, wenn das Monster seinen Widersachern so lange wie möglich aus dem Weg gehen muss.

Die vier neuen Gesichter auf der Seite der Jäger machen die erste kleine Enttäuschung etwas wett, keinen neuen Monster zu sehen. Teamplay ist der Schlüssel zum Erfolg und diese neuen Charaktere scheinen noch mehr Synergien aufzuweisen, als das erste Quartett. Vier Klassen stehen zur Verfügung: Assault, der Tank des Spiels und jener, der den meisten Schaden verursacht. Der Job des Trappers ist es, das Monster aufzuspüren und es daran zu hindern, zu fliehen. Das gelingt ihm mit einem riesigen Kraftschild namens Mobile Battle Arena. Die dritte Klasse sowie die vierte erklären sich selbst: der Medic (Mediziner) und der Support (Unterstützer) besitzen beide Fähigkeiten und Gerätschaften, mit denen sie die anderen Gruppenmitglieder unterstützen.

Abwechslung und Langlebigkeit werden die größten Herausforderungen für {Evolve} darstellen.

Neuling in der Assault-Klasse ist Hyde. Er besitzt einige schwere Waffen, inklusive einem eigenen Verteidigungsschild, einem Flammenwerfer - die stärkste Waffe des Spiels, die allerdings nur eine geringe Reichweite besitzt - und giftige Rauchbomben. Letztere erweisen sich vor allem im Zusammenspiel mit der Neuen im Trapper-Team als wirkungsvoll. Maggie stellt nämlich Fallen auf, deren Feuerhaken das Biest für eine kurze Zeit am Boden halten. Im Gepäck hat Maggie noch ihr Haustier-Monster Daisy. Das kleine Ungetüm spürt das Monster sogar auf, wenn dieses schleicht, was es zu einer unangenehmen Gefahr macht. Bietet sich also die Gelegenheit, sollte man als Monster nicht zögern, sie zu töten.

Lazarus übernimmt die Stelle als neuer Mediziner der Gruppe. Seine eher missionarische Fähigkeit bringt Mitstreiter zurück ins Leben - selbst wenn sie gerade sterben und auf ein Abwurfschiff warten. Von besonderer Bedeutung ist das natürlich, weil es die Wartezeit von zwei Minuten auf faktisch Null verkürzt. Lazarus' Nachteil ist, dass er recht schwach im Kampf ist und sich davon deshalb am besten so weit wie möglich fern hält. Mit seinen Fähigkeiten steht er nämlich ganz vorne auf der Abschussliste des Monsters. Denn wird er ausgeschaltet, ist das Ungetüm der klare Favorit. Schutz findet der Medic in Form seines Tarnungsgerätes und eines Scharfschützengewehrs, das die Schwachstellen des Biests offenbart. Auf Letztere stürzen sich dann die Mitstreiter.

Das letzte neue Mitglied ist ein Roboter-Support namens Bucket. Er unterstützt seine Gefährten mit einem Raketenwerfer mit Laseraufsatz sowie kleinen, schwebenden Geschütztürmen. Bucket hilft außerdem dabei, das Monster aufzuspüren - mit einer überaus lustigen Fähigkeit. Dann nämlich nimmt er seine Kopf ab und schickt den auf die Suche nach dem Ungetüm. Doch Vorsicht: Der Rest des Körpers ist leichte Beute für die Tiere der Umgebung. Und für das Monster selbst natürlich.

Der Jetpack-Raketenantrieb der Hunter ist derzeit noch eine kleine Herausforderung für sich.

Klar hätten wir gern ein neues, fieses Biest gesehen, aber die neuen Hunter hinterlassen einen überaus positiven Eindruck. Ihre Fähigkeiten und Waffen sind deutlich anders als die der ursprünglichen vier Kämpfer, deren Ausrüstung doch eher klassisch war. In Kombination sorgen diese acht Charaktere schon jetzt für interessante und dynamische Teamzusammenstellungen.

Trotzdem glaube ich, dass Abwechslung und Langlebigkeit die größten Herausforderungen für {Evolve} darstellen werden. Die Gefechte sind eher kurz, wodurch der Inhalt des Spiels in ebenso kurzer Zeit überblickt werden kann. Phil Robb versucht, bei der Anspielsession diese Bedenken zu zerstreuen. Er verspricht, dass die fertige Version genug Abwechslung bieten wird, um das Spiel für eine lange Zeit interessant zu halten. Wie viele Hunter und Monster es am Ende geben wird, will er zu diesem Zeitpunkt aber noch nicht verraten. Stattdessen enthüllt er, dass die Zahl der Karten wohl die Dutzend-Marke überschreiten wird. Klingt nicht schlecht. Davon abgesehen hoffe ich aber wirklich, dass Turtle Rock die Zeit für eine hübsche Einzelspieler-Kampagne findet.

Das Beste an {Evolve} sind zweifellos die Atmosphäre und das dynamische Gameplay.

Was den Mehrspielermodus betrifft, wirkt und fühlt sich {Evolve} sehr solide und unterhaltsam an. Die Matches, die ich gespielt habe, waren immer ausgeglichen und spannend, wobei die steile Lernkurve anfängliche Schwierigkeiten und schwache Erstgefechte ausmerzt. Jeder Charakter hat vier wichtige Waffen und Fähigkeiten, umso wichtiger ist es, diese in- und auswendig zu kennen, um sicher zwischen ihnen zu wechseln. Der Jetpack-Raketenantrieb der Hunter ist auch eine kleine Herausforderung für sich. Er ist nicht annähernd so leicht einsetzbar wie das Pendant in {Titanfall}. Oft hängen wir am unteren Ende einer Mauer oder größeren Hindernissen fest - und der Tank ist plötzlich leer. Glücklicherweise lädt der sich schnell selbst wieder auf. Trotzdem müssen die Entwickler hier noch nachbessern, um auch die teils extrem vertikalen Maps attraktiv zu halten.

Das Beste an {Evolve} sind zweifellos die Atmosphäre und das dynamische Gameplay. Im besten Fall ist die Action unglaublich spannend und die asymmetrische Machtverteilung zwischen den vier tödlichen Huntern und dem einen furchteinflößenden Monster trifft genau den richtigen Nerv. Alles in allem hat die Anspielsession meine Erwartungen übertroffen und wesentlich mehr Tiefe und Teamplay-Möglichkeiten aufgezeigt als die vorherigen Spiele des Studios.

Andererseits wird die straffe und anspruchsvolle Teamarbeit nicht so vielen Spielern gefallen wie die Zombie-Simulation. Wird der Inhalt allerdings so umfangreich, wie es Robb und die anderen von Turtle Rock Studios versprochen haben, könnte {Evolve} das beste Multiplayer-Spiel des Jahres werden.