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F1 2014

F1 2014

Die diesjährige Ausgabe von Codemasters Formel 1-Spiel ist eine herbe Enttäuschung. Findet jedenfalls Rennspielfanatiker Petter Hegevall.

Vor fünf Jahren ernannte ich Codemasters zum weltweit führenden Studio für Rennspiele. Heute würde ich so eine Auszeichnung nicht einmal in Erwägung ziehen. Nach Enttäuschungen wie {Dirt 3}, {Grid 2}, Dirt: Showdown oder {Grid: Autosport} fühlt sich {F1 2014} an, als ob der britische Entwickler seine Vorteile verspielt hat, die er über die Jahre anhäufte mit donnernd-dominanten Arcade-Renngiganten wie Dirt 2 und {Race Driver: Grid}. Die diesjährige Ausgabe der obligatorischen F1-Lizenz jedenfalls erscheint nur für Xbox 360, PS3 und PC. Und genau wie im Fall von {Grid: Autosport} fühlt sich das wie ein mager verpacktes Produkt an.

{F1 2012} war ein wirklich gutes F1-Spiel. Es raste auf einer ausgewogenen Linie zwischen Simulation und Arcade entlang, seine gemischten Spielmodi und Funktionen unterhielten sowohl uneingeweihte Casual-Rennspielfans als auch die F1-Wahnsinnigen. {F1 2013} war im Jahr danach nicht ganz so auf den Punkt gelungen, aber immer noch unterhaltsam. Besonders der Classic-Modus war eine brillante Innovation, mit der ich persönlich viel Zeit verbrachte. {F1 2013} war bei weitem nicht perfekt, aber ein ausgewogenes und gut aufgebautes Produkt.

Die Grafik ist gut, aber gerade auf dem PC sieht man der Ego-Engine an, dass sie vor acht Jahren entwickelt wurde.

{F1 2014} kann sich leider nicht rühmen, auch nur einige dieser Qualitäten zu erreichen. Es fühlt sich eher wie ein geiziges, etwas billiges und unsinniges Produkt an, das schnell und uninspiriert zusammengeschustert wurde, um ein noch ein paar Exemplare zu verkaufen, bevor Codemasters endgültig den Schritt in die neue Generation wagt. Die Menüs sind komplett aus der letztjährigen Version kopiert und die Menge des Inhalts und die Spielmodi wurden drastisch abgespeckt.

Das Seltsamste ist, dass der tolle Classic-Modus nun fehlt, das einzigartigste und schönste Feature aus {F1 2013}. Als Alain Prost im Jahr 1980 in einem Williams FW07B den Monza-Kurs entlang zu rasen, während Murray Walker in die PA-Anlage schreit, es war eine reine Freude. Gerade für jemanden wie mich, der den F1-Sport als schlimmer und schlimmer wahrnimmt, weil er über die Jahre mehr und mehr verwässerte. Codemasters hat nicht kommentiert, warum der Classic-Modus entfernt wurde, aber ich spekuliere jetzt mal wild und gehe davon aus, dass sie den für die Next-Gen-Version von {F1 2014} aufsparen, die dann im Frühjahr 2015 kommt und eine völlig neue Version der hauseigenen Ego-Engine nutzt.

Das Fehlen von Inhalten ist aber nicht die größte Schwäche von {F1 2014}. Das größte Problem des Spiel ist, dass es nun eine merkwürdige Verzögerung zwischen den Befehlen und dem Tastendruck auf dem Controller gibt und der Art, wie das Auto darauf reagiert. Im Vergleich zum letztjährigen Spiel fühlt sich das beim aktuellen Rennspiel so an, als ob man es auf einem uralten LCD-TV mit furchtbar schlechter Reaktionszeit spielt.

Das Fehlen von Inhalten ist aber nicht die größte Schwäche von {F1 2014}.

Um dies zu vermeiden, ist es erforderlich, dass man mit dem Lenkrad spielt und dazu zwingend die PC-Version, in der die Einstellungsmöglichkeiten einfach besser sind. Mit einem guten Lenkrad (ich nutze am PC das Fanatec GT2) und den entsprechenden Einstellungen macht {F1 2014} dann doch noch ein bisschen Spaß. Es ist möglich, die Qualität in diesem mittelmäßigen Produkt auszugraben, aber es ist sicherlich kein Zuckerschlecken - selbst nicht für einen Experten.

Auf der positiven Seite finden wir die neuen Automodelle gleich ab dem Beginn der Saison. Wir fahren endlich Turbo-V6-Motoren anstatt der alten, nicht aufgeladenen V8-Motoren. Codemasters hat die neuen F1-Autos auch in Bezug auf das Verhalten sauber erfasst - bei voller Turbo-Aufladung und reinknallendem Drehmoment passiert es schnell, dass der Hintern des Autos ausbricht. Selbst die weniger dramatischen Motorengeräusch sind am Start. Ansonsten ist es, wie schon gesagt, relativ einfach möglich, die diesjährige Ausgabe des Spiels zu ignorieren. Die Grafik ist gut, aber gerade auf dem PC sieht man der Ego-Engine an, dass sie vor acht Jahren entwickelt wurde. Auf den alten Konsolen ist das Spiel jedoch eines der schönsten und überzeugt sowohl mit köstlicher Ausleuchtung als äußerst feinen Polygonmodellen. Auch der Sound ist gut, ebenso wie die brillanten Kommentatoren.

Aber Codemasters war faul am Ende dieser Konsolengeneration, hat den komfortablen Wege gewählt und eine Reihe von durchschnittlichen Titeln rausgepumpt, die nicht den hochklassigen Produkten des Studios gerecht werden. {Dirt 3}, {Grid 2}, {Grid: Autosport} und {F1 2014} sind Enttäuschungen - mal größere, mal kleinere. Ich hoffe wirklich, dass die im Frühjahr 2014 erscheinenden Versionen von {F1 2014} für Playstation 4 und Xbox One besser werden.

05 Gamereactor Deutschland
5 / 10
+
anständige Grafik, schöner Sound, kurze Ladezeiten, alle Autos für den Karriere-Modus am Start
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schwaches Fahrgefühl, Mangel an Realismus, schelchtes Force-Feedback, alte Darstellung, wenig Inhalte, Classic-Modus fehlt