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Game Room

Game Room

Der Game Room für Xbox Live Arcade und Games for Windows Live ist am Start. Microsoft verkauft das Ganze als interaktive Retro-Spielhalle. Ein Ausflug ins virtuelle Groschengrab.

{Game Room} ist am Anfang eine leere Hülle, die als kostenloser Download auf die Xbox und/oder den PC gezogen wird. Eine völlig leergefegte Spielhalle, die wir in der Zukunft als brave Konsumenten mit Inhalten füllen sollen. Mit Spielautomaten. Und die sind dann natürlich nicht mehr kostenlos.

Die erste herbe Enttäuschung gibt's gleich am Anfang. Denn wer geglaubt hat, mit seinen Avataren in der Spielhalle herumstromern zu können, wird leider enttäuscht. Nix mit rumlaufen. Bestenfalls steht man selbst und mit Glück auch die Freunde an den Automaten in der eigene Spielhalle. Warum Entwickler Krome das in diesem Punkt nicht wenigstens ein bisschen so wie etwa Playstation Home gemacht hat, erschließt sich mir überhaupt nicht.

Da {Game Room} sowohl für die Xbox 360 als auch den PC als Download am Start ist, gibt es zwei Preismodelle für das Kaufen der Retroklassiker. Sie kosten pro Automat 400 Microsoft Points und sind dann für Xbox Live UND Games for Windows Live freigeschaltet. Für 240 Microsoft Points ist der Automat dann wahlweise nur für die Xbox oder den PC aktiviert, kann aber jederzeit nachträglich auf die Version für beide Systeme erweitert werden. Dann muss man nur den Differenzbetrag von 160 Points nachzahlen. Münzen versenken geht auch, billig animiert. Eine einzelne Runde am virtuellen Automaten kostet 40 Microsoft Points. Demoversion von allen angebotenen Automaten dürfen wir für zehn Minuten spielen, danach ist Game Over und es bleibt nur das Bezahlen.

Drei Etagen, zwölf Einzelräume, aber Herumlaufen wie in einer Lobby dürfen wir hier mit den Avataren leider, leider nicht.

Um die Games auszuprobieren, muss man im eigens dafür angelegten Präsentationsraum durch die Spielhallen ziehen und die liebevoll gestalteten Automaten nach und nach austesten. Das ist echt nett gemacht, weil selbst Kenner immer wieder überrascht werden, was sich hinter den hübsch gestalteten Automaten verbirgt. Alternativ kann man auch im langweiligen, aber dafür übersichtlichen Laden-Menü suchen. Das ist vor allem perspektivisch wichtig, denn Microsoft will über 1000 Automatenversionen spielbar machen.

Lustig sind die Spielmarken, eine Demo-Alternative. Für fünf davon gibt's ein kostenloses Bonusspiel - allerdings geht das mit den Bonusspielen nur in der Präsentationsspielhalle, nicht im Laden-Menü. 20 Marken schenkt Microsoft am Anfang jedem Spieler, neue gibt es unter anderem dafür, wenn Freunde die von uns gebaute Spielhalle besuchen und an unseren Automaten zocken.

Um die Fans bei Laune zu halten, hat der {Game Room} 1000 mögliche Gamerscore-Punkte im Gepäck. Ein bisschen Gamerscore gibt es schnell, etwa für das Verschönern der eigenen Spielhalle mit speziellen Designs und reichlich kitschigem Deko-Nippes. Andere sind härter zu erspielen. Wer 36 Stunden Spielzeit auftürmt, der ist schon einigermaßen hartgesotten, aber alle 48 Medaillen zu kassieren, die man als Belohnung für diverse zumeist zeitliche Anstrengungen im {Game Room} bekommt, das dürfte auch eine Weile dauern.

Ein Einzelraum im Intellivision-Look. Bis zu acht Automaten passsen in so ein Zimmerchen.

Zum Start sind 30 Spielhallen-Klassiker im Programm, die in zwei Game Packs ausgeliefert werden, die extra heruntergeladen werden müssen. Wer die beiden knapp 70 MB großen Pakete auf der Festplatte hat, darf dann im {Game Room} die ganzen Demos spielen. Wer kauft, hat das Game in Sekunden als Vollversion am Start, denn es ist ja im Paket schon mitgeladen. Sehr komfortabel.

Die Bandbreite ist okay für den Start. Einige Atari 2600-Klassiker wie Millipede, Outlaw oder Combat, dazu reichlich Atari-Automaten wie Crystal Castles, Red Baron oder Tempest. Konami stellt als erster Publisher unter anderen Battlantis, Scramble und dessen Klon Super Cobra in die Spielhalle. Für das Intellivision-System gehen unter anderem Astrosmash, Sea Battle und Sub Hunt ins Rennen um die Downloadgunst. Jede Woche kommen nun neue Games hinzu, wie viele, davon müssen wir uns überraschen lassen.

Im dreistöckigen {Game Room} können wir bis zu acht Automaten nach eigenem Geschmack in den zwölf Separees anordnen. Zudem dürfen die Wände der Räume thematisch angepasst werden sowie animierte Maskottchen der Games und den oben erwähnten Nippes beherbergen. Sobald Automaten drinstehen, wird der Raum von Avataren besucht. Es wirkt optisch ein bisschen wie Playstation Home (mit hübscheren Avataren), wo es übrigens auch eine (in Teilen sogar kostenlose) Automatenhalle gibt. Was aber eben echt mies ist, dass der eigene Avatar nicht bewegt werden kann wie in Home.

Hier mal das Atari-Thema im Einsatz. Auf dem Bildschirm im Hintergrund laufen Videos, die Neuigkeiten der Spielhalle ins virtuelle Land posaunen.

Die Games selbst halten sich optisch streng an die Originale, sind nicht aufgehübscht. Es gibt aber drei verschiedene Ansichten: die klassische Draufsicht mit der Spielhalle im Hintergrund, eine frei skalierbare Draufsicht und eine leicht isometrische Original-Automatenansicht, die das Gefühl, am Automaten zu stehen, suggerieren soll. Leider taugt die nichts, weil sie nur das Bild leicht verzerrt und irgendwie matschiger macht. Der authentische Retro-Bleep-Sound verzaubert einen dafür sofort.

Es gibt für jedes Game zwei Modi: den Klassik-Modus und den Ranglistenmodus. Irreführend, denn tatsächlich ist der Ranglistenmodus der Originalmodus, weil nur dort ohne Hilfsmittel gespielt werden muss - so wie früher eben. Geld rein und überleben.

Der Klassikmodus bietet mehr Freiraum und ein absurdes Feature: Wir können die Zeit zurückdrehen um bis zu 30 Sekunden, um schief gelaufene Aktionen zu korrigieren. Das mag ja manchmal zu Trainingszwecken sinnvoll sein, nimmt aber gerade den alten Shootern vollständig ihren Reiz. Zumal selbst selbstdisziplinierte Retrofans schnell dem Anti-Frustrationsmodus verfallen. In eine ähnliche, allerdings positivere Richtung tendiert die Speicherfunktion, die es erlaubt, jedes Game an jeder Stelle zu speichern, um später weiter zu spielen. Ist man halt so gewohnt heute - und Microsoft will es den Xbox Live-Nutzern wohl möglichst einfach machen.

Die Automaten haben das originale Design und sehen sehr hübsch aus. Am besten entdeckt man sie im Präsentationsraum, wo auch die Demo- und Bonusspiele locken.

Sogar im Detail hat Microsoft echten Humor bewiesen. Man kann bei den Automaten im Klassikmodus die DIP-Schalter bedienen, um etwa die Anzahl der Leben, die Scoregrenzen für Bonusleben oder den Schwierigkeitsgrad zu verändern. Früher musste man dafür den ganzen Automaten aufschrauben...

Der wesentliche Witz des {Game Room} allerdings soll der Multiplayer und Wettbewerb sein. Freunde können nun mit dem Avatar ihre Freundesliste verlassen und in den {Game Room} ihrer Freunde gehen. Meistens werden sie das im Zuge einer Herausforderung tun, die in ihrem Postfach gelandet ist. Herausforderungen sind Wettbewerbe, wo man zeitlich begrenzt (von einer Stunde bis zu sieben Tage) maximal sieben Spieler aus der Freundesliste zur gemeinsamen Highscorejagd oder zur Überlebensmissionen einlädt. Wer hier richtig mitspielen will, braucht allerdings die Vollversion des Titels, für den die Herausforderung gilt.

Die Herausforderungen sowie alle Multiplayerduelle funktionieren sogar plattformübergreifend zwischen PC und Xbox-Spielern. Online gibt es zwei Modi: Entweder gleichzeitig gegeneinander oder klassisch einer nach dem anderen. Immer vorausgesetzt, beide Spieler haben das Spiel auch gekauft. Für den Offlinemodus für Zwei braucht man natürlich nur einen Automaten.

Microsoft will also endgültig die Spielhalle retten und die digitalen Versionen der Automatenklassiker für die Ewigkeit konservieren. Nun ja, jedenfalls so lange, bis eine neue Xbox auf den Markt kommt und wir das alles noch einmal kaufen müssen, was wir bereits auf mehreren Plattformen gespielt und bezahlt haben - für den {Game Room} der neuen Xbox. Dann vermutlich mit 3D-Modus...

Was zum zentralen Kritikpunkt am {Game Room} führt - neben der wenig interaktiven Avatar-Integration. So nett es auch ist, die vielen Klassiker endlich auch auf der Xbox zu spielen oder wieder zu entdecken, es wirkt am Ende wie ein nicht ausgegorener Versuch, aus ein und demselben Spiel noch einmal Extra-Geld herauszupressen. Die alten Spiele sind mit 240 Microsoft Points (knapp drei Euro) für eine Plattform nämlich nicht gerade billig. Und 40 Points (50 Cents) für eine Runde entspricht zwar dem realen Arcadepreis, für den man aber in echt wenigstens das reale Bleep-Konzert und den eigentümlichen Geruch einer Arcade bekommt. Und wer Pac-Man & Co. bereits als reguläres Arcade-Game gekauft, darf diese Version im {Game Room} leider nicht nutzen...

07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
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Schicke Automaten, viele Retro-Klassiker zocken, die Herausforderungen
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Relativ teuer, teilweise unstrukturiert, schlechte Avatar-Integration