Gauntlet
Die Suche nach Gold und Nahrung in dunklen Höhlen liefert die Betriebsgenehmigung für Gauntlet. Warner bringt den Arcade-Klassiker nun zurück, wir haben schon reingespielt.
Es ist eine verdammt perfekte Antwort, die Art Director Rob Tatnell auf die Frage findet, warum die Welt ausgerechnet ein Remake des 80er-Klassiker {Gauntlet} braucht. Er überlegt einen Moment, lächelt freundlich und sagt dann überzeugend den Satz, der irgendwie symptomatisch für dieses Spiel steht: "Warum nicht?!"
Ja, warum eigentlich nicht?! Es gibt sicherlich viele Gründe, die schlüssig belegen, warum die Welt kein weiteres Koop-Spiel für vier Spieler braucht. Warum sollten sich vier Menschen auf dem Sofa zusammenfinden, um ein paar Dungeons zu durchstreifen und nach Gold zu suchen. Anderseits: Warum eben nicht? {Gauntlet} liefert uns keine nennenswerte Geschichte, aber dafür einen perfekten Anlass, gemeinsam Monster und Gold jagen zu gehen.

Wir schauen fast aus der totalen Vogelperspektive auf die Kämpfer, die zwingend zu viert auf einem Bildschirm unterwegs sind.
{Gauntlet} ist auch 2014 noch ein klassischer Top-Down-Shooter. Wir schauen fast aus der totalen Vogelperspektive auf die Kämpfer, die zwingend zu viert auf einem Bildschirm unterwegs sind. Das ist fast archaisch recht, aber eben eines jener Elemente, die man bei {Gauntlet} nicht verändern durfte. Auch das Konzept der vier unterschiedlichen Charaktere ist gleich geblieben, ebenso ihre Basisfähigkeiten. Der Elf schießt Pfeile, der Warrior haut drauf, der Magier zaubert und die Walküre düst flink durch die Höhlen. Alle vier haben zwei spezielle Zusatzeigenschaften. Der Elf etwa kann einen Energiestoß verschießen und einen mächtigen Todespfeil aufladen. Beide Fähigkeiten brauchen nach dem Abfeuern eine kurze Regenerationsphase. Außerdem können wir Relikte finden, die uns für die Dauer der Spielrunde weitere Zusatzeigenschaften wie mehr Kraft oder flinkere Füße garantieren. Das wiederum ändert die Spielweise mit einer Klasse unter Umständen erheblich.
Alles gesammelte Gold landet in einer gemeinsamen Kasse, abgerechnet wird am Ende. Dann erfahren wir auch, wer der beste Kämpfer war, wer am fleißigsten gesammelt und wer am meisten Schaden ausgeteilt hat. Das Gold kann in Verbesserungen investiert werden, die rein optisch sein können oder die Fähigkeiten der Spielfiguren verbessern.
Die Optik ist unaufgeregt, ein bisschen düster und durchaus blutig. Je mehr Monster uns angreifen, umso bunter und hektischer wird es. Die Optik passt zu {Gauntlet}, ohne Frage. Aber Next-Gen ist das an keiner Stelle, nicht einmal wirklich aufregend. Vielleicht soll das auch so sein, schließlich ist Entwickler Arrowhead bekannt dafür, die Energie gerne voll aufs Gameplay zu fokussieren. Und das ist gelungen, denn {Gauntlet} ist ein schnelles Vergnügen, das man in drei Minuten versteht. Die Spieltiefe speist sich aus dem Koop-Gedanken und der Tatsache, dass wir immer wieder mit Passagen im Level konfrontiert werden, die völlig zufällig generiert wurden.

Auch die Schlüssel sind beliebter Streitpunkt, denn wer den Schlüssel eingesammelt hat, entscheidet im Zweifel, wo es weitergeht.
Auch das Friendly-Fire-System spielt eine Rolle, denn die Spezialaktionen treffen nicht nur Feinde, sondern auch Freunde. Die Mitspieler werden ebenso eingefroren wie gegrillt, wenn sie bei einem Zauber an der falschen Stelle stehen. Die mächtige Axt des Kämpfers wirft alle Monster um, aber eben auch Elfen und Zauberer. Das führt immer wieder zu Lachern und gelegentlichen Ellbogenchecks auf dem Sofa.
Auch die Schlüssel sind beliebter Streitpunkt, denn wer den Schlüssel eingesammelt hat, entscheidet im Zweifel, wo es weitergeht. Darüber herrscht je nach Bedürfnissen auch nicht immer Einigkeit. Irgendwer hat immer Hunger und braucht ein leckeres Hühnchen, um den Energiebalken zu füllen. Und irgendwer kann den Snack natürlich auch aus Versehen wegschießen ...
Wer stirbt, darf sich sofort wieder ins Spiel einkaufen oder wartet etwas auf den Respawn. Die umgehende Rückkehr ins Level belastet die Geldbörse aller Spieler, was erneut und gerne zu Diskussionen führt. Insofern ist {Gauntlet} wie schon früher ein Spiel, das seine Teilnehmer zum Reden bringt. Zwangsläufig. Was aber wirklich schön ist.

Meine Spielrunde im Dungeon dauert knapp fünfzehn Minuten, bevor sich der Endgegner auf einem Thron fläzt, wir ihn aber nicht mehr erledigen dürfen. Demo-Ende. Mist. Über das System der Verbesserungen und Upgrades erfahren wir leider nichts. Und es bleibt auch die Erkenntnis, dass {Gauntlet} zwar wirklich unterhaltsam, aber doch auch fast ein bisschen zu leicht ist. Dass das mal jemand über ein Arrowhead-Spiel schreibt! Aber irgendwie ist es ja auch ein Lizenzprodukt und keine gänzlich eigene Produktion.
Ein paar ungelöste Probleme bleiben bestehen. Da {Gauntlet} einen Multiplayer mit Drop-in/Drop-out-Feature hat, kann man alleine oder mit mehreren Leuten spielen. Das ändert natürlich fundamental das Balancing und die Art, wie stark Gegner sind oder wie viele uns überhaupt angreifen. Manche Passagen erfordern zudem, dass wir etwa Statuen auf Schalter tragen, damit sich Türen öffnen. Als Einzelkämpfer kann das schnell nervig werden.
Als Downloadspiel für 19,99 Euro sollte man auf jeden Fall mal reinschauen, wenn man solche Games wie {Gauntlet} mag. Und wer nicht an PC oder Steam Machine spielen will, muss noch warten. Eine Version für Konsolen wird nicht weiter kommentiert, aber immerhin auch nicht ausgeschlossen. Rob Tatnell aber meint, dass sie erst einmal eine Fassung vernünftig abliefern wollen. Guter Mann, recht hat er.