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Kritiken
Haunted

Haunted

Deck 13 haben sich mit Ankh und Jack Keane bereits einen guten Namen gemacht. Dieses Adventure hätte es aber fast gar nicht in die Läden geschafft, kurz vor Schluss ging dem deutschen Entwickler der Publisher flöten. Doch am Ende wurde fast alles gut.

Mary ist ein Mädchen, das auf der Straße lebt. Bei einem Zugunglück hat sie ihre Schwester Emily verloren und ist irgendwann von zu Hause abgehauen. Sie gibt sich die Schuld für den Tod ihrer Schwester und hat es einfach nicht mehr ausgehalten. Nun wird sie von Visionen in der Nacht heimgesucht. Ihre Schwester ruft nach Hilfe, sie bittet um Rettung. Und irgendwann versucht Mary, der Sache endlich auf den Grund zu gehen. Dabei kommt sie in ein merkwürdiges Haus. Professor Ashcroft hat hier komische Apparaturen aufgebaut. Und Mary findet das Amulett ihrer Schwester auf dem Schreibtisch dieser durch und durch unsympathischen Frau. Doch sie trifft auch ihren ersten Unterstützer bei der Suche nach ihrer Schwester. Einen Geist.

Mary beherrscht die Gabe des Sehens. Das heißt, sie kann Geister sehen und mit ihnen kommunizieren. Für sie ist das auch ein wenig ungewohnt, denn Geister gibt es ja eigentlich gar nicht. Doch der vorlaute Piratenkapitän Oskar weiß schon, wie er sein eher tristes Leben etwas spannender macht. Mary bringt er nämlich dazu, einen für ihn wichtigen Gegenstand zu holen und damit den Geist an sich zu binden. Nach diesem Schema lernen wir noch weitere Partner kennen. Jeder von ihnen verfügt über eine individuelle Eigenschaft, die bei Rätseln dringend erforderlich ist. Oskar zum Beispiel empfindet keinen Schmerz, wenn er für normale Menschen gefährliche Gegenstände anfasst. Elektrischer Strom, heißes Feuer - alles kein Problem für Oskar.

{Haunted} versucht sich an einem durchaus interessanten Ansatz. Das Adventure setzt auf die klassische Rätselmechanik, fügt aber durch die sechs unterschiedlichen Geister eine nette Prise Abwechslung hinzu. Aus diesem Feature könnte man sicherlich auch noch mehr herausholen und es viel gezielter einsetzen. Natürlich, im Ergebnis wäre das Spiel kein reines Adventure mehr, was haben wir nach dem vielen Stillstand im Genre denn zu befürchten. {Haunted} ist, was das betrifft, durchaus als Bereicherung zu verstehen. Ohnehin beweist Deck 13 bereits eine Menge Mut, weil sie auf eine vergleichsweise aufwändige Grafik setzen.

Mary will das Geheimnis um ihre tote Schwester lösen und reist dafür durch Europa.

Die ist wirklich hübsch und auch wenn nicht jeder Computer mit seinen technischen Fähigkeiten froh über diese Entscheidung sein dürfte, ist das abgelieferte Werk durch sein trotzdem erhalten gebliebenes, comichaftes Aussehen trotzdem in Ordnung. Schade nur, dass es offenbar Abstimmungsprobleme zwischen Entwickler und Tonstudio gab. Denn die Sprecher sind fast durch die Bank großartig, aber bei manchen Charakteren - wie etwa Professor Ashcroft - wirken die Stimme einfach absurd und passen nicht zum Auftreten.

Ein zweites Problem hat Deck 13 zudem mit dem Typ von Adventure. {Haunted} schwankt zwischen rührseliger Geschichte mit einer großen Tüte Mitleid für die arme Mary und einem humorvollen, witzigen Geisterabenteuer hin und her. Die Heldin wirkt bisweilen sogar unsympathisch, weil ihre Reaktionen unangemessen sind. In anderen Momenten wiederum reagiert sie souverän schnippisch.

Sechs Geister mit unterschiedlichen Fähigkeiten helfen ihr bei ihrem Abenteuer.

Wäre dem Entwickler eine durchgängig konstante Charakterbeschreibung geglückt, hätte das dem Spiel sehr geholfen. So steht der wichtigste Charakter im Spiel immer ein wenig am Rand, während die Geister im Rampenlicht glänzen. Das Humor der einfachere Weg ist, um Sympathien zu gewinnen, hätte einfach berücksichtigt und entsprechend dem Mädchen mehr Tiefe verlieren werden müssen.

Der Schwierigkeitsgrad der Rätsel bewegt sich auf einem angenehmen Niveau. Manche Rätsel allerdings sind sehr weit hergeholt, andere liegen dafür offensichtlich auf der Hand. Tipps gibt es auch nur sparsam und trotz der optionalen Rätselhilfe wird nicht immer alles sofort deutlich. Mehr ins Spiel integrierte Hinweise über Dialoge mit Geistern, anderen Charakteren oder beim Betrachten der Gegenstände wären eine elegantere Lösung gewesen. Aber es machen sowieso meist jene Knobeleien Spaß, die Geister mit einbeziehen. Gerade weil in {Haunted} so offensichtlich wird, dass das klassische Konzept aus dem Kombinieren von Gegenständen angestaubt wirkt.

Klar, das Konzept hinter dem Spiel ist fantastisch und verdient ein Lob. Bei der Umsetzung aber verbaut sich Deck 13 wieder den Weg zum großen Hit. Einerseits sind es technische Fehler, zum anderen sind die Rätsel bei der Kürze des Spiels nicht durchdacht genug. Ein flüssigeres Spiel wäre ein echter Gewinn gewesen. Ein Spiel, das weniger auf Ausprobieren, sondern auf intelligente Aufgaben mit logischen, fordernden Rätselketten setzt, die vernünftig ins Spiel integriert sind. Die Handlung ist zudem etwas holperig erzählt und erreicht mit einem relativ farblosen Hauptcharakter leider nur Mittelmaß. Aber {Haunted} bleibt ambitioniert und wir hoffen, dass Deck 13 in einem ihrer folgenden Spiele weiter an frischen Ideen schrauben.

07 Gamereactor Deutschland
7 / 10
+
witzige Geister als auflockernde Spielmechanik, hübsche Grafik
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zum Teil unlogische Rätsel, mittelmäßige Geschichte, technisch nicht einwandfrei