Pressure
Ein Rennspiel gemixt mit einem Shoot'em up. Klingt gut, aber Pressure geht sehr schnell die Luft aus. Beziehungsweise meistens eher der Sprit...
Egal, wie oft ich es versuche, es will einfach nicht klappen. Mit einem Buggy muss ich einen Pinguin auf Schienen besiegen. Und seit nunmehr drei Stunden verbringe ich meine Zeit damit, die letzte Phase des Bosskampfes wieder und wieder zu verlieren - auf dem normalen Schwierigkeitsgrad. Dabei ist es erst der zweite Endgegner, den mir {Pressure} entgegenstellt. Meine Aufgabe besteht darin, mit dem Buggy Bomben in den undurchdringlichen Verteidigungsring des Robopinguins zu befördern. Also ich soll quasi mit einem Auto Basketball spielen. Ich habe die besten Ausrüstungsgegenstände, die es im Spiel gibt und kein normaler Gegner hält mir lange stand. Im Grunde genommen ist das Spiel furchtbar einfach, wären da nicht diese Bossgegner.
Denn in diesen Kämpfen lauert ein neuer, ein fieser Feind. Nicht der mechanische Pinguin ist es. Das eigentliche Problem ist die Steuerung. So etwas Zickiges hab' ich lange nicht mehr erlebt. Es nervt deshalb so extrem, weil jede Bossrunde einfach nur ein schwieriges Geschicklichkeitsspiel auf Zeit ist.
Denn im Shoot'em up-Rennspiel {Pressure} wird ein Feature ganz entschieden eingesetzt - der {Pressure} genannte Treibstoff. Er verringert sich nicht durch gefahrene Kilometer, sondern mit der Zeit. Ist er aufgebraucht, bevor wir das Ziel erreicht haben, heißt es Game Over. Durch das Abschießen von Gegnern und das Erreichen von Checkpoints erlangen wir etwas vom kostbaren Stoff zurück und dürfen unsere Reise fortsetzen. Aber welche Reise eigentlich? So richtig kann ich das gar nicht sagen. Irgendein dicker Graf hat Wasser geklaut und möchte ein Freibad eröffnen bzw. die Welt beherrschen. Oder so etwas in der Art. Die wenigen Videosequenzen kommen vollkommen ohne Sprachausgabe aus und sollen zwanghaft lustig sein. Wichtig kann die Geschichte auf keinem Fall sein.

Durch das Abschießen von Gegnern und das Erreichen von Checkpoints erlangen wir etwas vom kostbaren Treibstoff zurück.
Wäre sie es, sie würde in der Einseitigkeit des Spielprinzips zwangsweise untergehen. Jedes Level bietet den gleichen Aufbau: Wir schießen alle Feinde ab, fahren durch Checkpoints und töten noch mehr Gegner. Auch eine Bewertung für das Abschließen des Levels gibt es. Wie viele Münzen wurden gesammelt, wie viele Feinde ausgeschaltet und was sagt die Zeit? Leider ist kein Wiederholen einer Mission vorgesehen, weshalb sich die Bewertung als unsinnig erweist. Das sorgt für null Anreiz, einen zweiten Durchlauf zu probieren.
Der Höhepunkt jeder Rennstrecke ist der Zeitpunkt, wenn sie endet und wir das Geld bekommen, um unser Auto aufzurüsten. In vier Rubriken werden durch das Ansammeln von Münzen mächtige Ausrüstungsgegenstände freigeschaltet. Groß herumexperimentieren müssen wir allerdings nicht, da die besten Sachen immer ganz unten angesiedelt sind. Natürlich könnten wir das Geld auch in frühere Stufen investieren. Einen nennenswerten Unterschied habe ich beim Spielen jedoch nicht festgestellt, da sich viele Sachen ähnlich spielen.
Aber technisch ist {Pressure} ohnehin nicht wirklich vorzeigbar. Der oben erwähnte Pinguin ist etliche Male gar nicht in die letzte Phase eingetaucht. Er verschwand einfach und ich bin ohne Gegenwehr gestorben, da mein Treibstoff alle war. Hinzu kommt die krampfhafte Haltung der Finger - vor allem beim Controller. Man hält unentwegt die Schusstaste und die Taste zum Fahren gedrückt. Da die Sekundärwaffe einen Cooldown hat, muss bzw. darf sie nicht ständig durchgedrückt werden. Ebenso der Boost, der das Auto nach vorne katapultiert. Diese beiden Tasten werden quasi immer abwechselnd gehämmert. Das schmerzt schon nach wenigen Runden.

Die Steuerung nervt, darum wird das Besiegen der diversen Endgegner zum anstrengenden Geduldsspiel.
Aber das Spiel hat durchaus gute Aspekte zu bieten. Immerhin sind die Gegner sehr variantenreich gestaltet. Fast in jedem der 33 Level gibt es neue Formen. Besonders fies ist der Sucker. Er saugt im Vorbeifahren den wertvollen Sprit ab. Verlieren wir ihn aus den Augen, ist das Rennen so gut wie verloren. Wird er jedoch getroffen, gelangt die Energie zurück in unseren Tank. Eine gute Idee, würde die Steuerung da mitmachen. Die verschiedenen Gegnersorten sind hübsch anzusehen, aber im Eifer des Gefechts ist es vollkommen egal, was sich einem in den Weg stellt. Alles wird so schnell es geht zerschossen. Welche Angriffsmuster die Gegner auch haben, ist dabei egal. Entweder sterben sie oder fahren nach einer gewissen Zeit wieder weg. Der Buggy hat zwar eine Gesundheitsanzeige, aber in etwa 95 Prozent der Fälle stirbt man, weil der Treibstoff leer ist.
Auch das Streckendesign überzeugt. Durch ausgetrocknete Flussbecken, giftgrüne Abwasserkanäle und feurige Lavagruben jagen wir mit einem Höllenspeed. Allerdings müssen immer zehn Rennen hintereinander gespielt werden, bevor wir dem Bossgegner einer Sektion gegenüberstehen. Danach wird das Grundthema gewechselt und der Zyklus beginnt von neuem. Variation gibt es kaum. Innerhalb dieser Level wiederholt sich jeder Teil einer Strecke viele Male. Mehr Kreativität hätte wirklich nicht geschadet.
Schlussendlich hat Topware Interactive mit {Pressure} keinen Hitkandidaten erschaffen. Das Spielprinzip bietet einige interessante Aspekte, aber das Spiel ist technisch nicht gelungen. Hier wurde viel Potential verschenkt, was wirklich schade ist. Das Spiel selbst ist generell sehr leicht, aber die Geschicklichkeitsspiele der Bosse viel zu schwer. Die Spielzeit beträgt je nach Können und Glück zwischen drei bis vier Stunden. Motivation und Widerspielwert gehen gegen null, dank der sich ständig wiederholenden Elemente. Langweilig und ermüdend zugleich. Aber ein hübsches Cover haben sie trotzdem, was das Spiel sicher etwas verkaufen wird.
Gamereactor Deutschland