Shadows: Heretic Kingdoms
Passend zum Jubiläum von Kult: Heretic Kingdoms folgt in diesem Jahr ein neues Action-Rollenspiel mit einem schizophrenen Seelenfresser in der Hauptrolle.
Zehn Jahre ist es her, das Kult: Heretic Kingdoms erschienen ist. Den slowakischen Entwickler gibt es zwar nicht mehr, aber die meisten sind bei Game Farm untergekommen und die wollen dem Erbe nun mit einem Nachfolger gerecht werden. Was das Action-Rollenspiel damals auszeichnete war die interessante Geschichte und daher soll diese auch in {Shadows: Heretic Kingdoms} im Mittelpunkt stehen. Wir starten dort, wo die letzte Reise geendet ist. Es herrscht ein trügerischer Frieden. Das Machtvakuum, was mit dem Ende der Theokratie hinterlassen wurde, sorgt für Spannungen und so kehren in dessen Schatten alte Feinde wieder zurück.
Alles beginnt mit einer Beschwörung des Penta Nera-Kults, der das Ende der Welt herbeirufen soll. Diese wurde aber von einem Unbekannten manipuliert und genutzt, um einen Devourer herbeizurufen. Und so starten wir nun in der Rolle eines mächtigen dämonischen Seelenfressers. Wir haben allerdings keine Erinnerung und müssen nun selbst herausfinden, was vor sich geht und wer hinter der Verschwörung steckt. Wie im Erstling wechseln wir zwischen der Welt der Schatten und, mit Hilfe der Seelen, die wir sammeln, der normalen Welt. Beide ähneln sich, aber sind an einigen Stellen auch entscheidend verändert.

Die Beschwörung des Penta Nera-Kults wird sabotiert und wir starten als mächtiger Seelenfresser in der Schattenwelt, um die Welt der Sterblichen zu retten.
Insgesamt 14 Seelen können wir finden und dann wiederauferstehen lassen, maximal neun davon lassen sich in einem Durchlauf kassieren. Zum Start gibt es in bester Pokémon-Manie drei zur Auswahl: ein edler Bogenschütze im Stil vor Aragon, ein fieser Barbar mit zweifelhaftem Ruhm und eine Feuerzauberin. Sie alle haben eine eigene Geschichte und ihre Rückkehr unter die Lebenden wird nicht immer als etwas Gutes gefeiert. Dass sie alle unterschiedliche Reaktionen hervorrufen können wir zu unserem Vorteil nutzen. Denn als wir ihre Seele verschlungen haben, machten wir sie zu unseren gefügigen Marionetten.
An dieser Stelle kommt der interessante Teil, denn wir müssen viele Entscheidungen treffen. Bis zu drei Seelen können wir aktiv in unser Party dabei haben. Jede Seele hat auch weiterhin eine eigene Meinung, allerdings folgt sie dennoch nur unseren Befehlen. Wollen wir also, dass ein Charakter etwas gegen seinen Willen macht, stört diesen das vielleicht und er wird es in inneren Dialogen auch deutlich machen, aber dennoch ist er hilflos. Wir haben bisher nur kleine Ausschnitte für diese Persönlichkeitskonflikte in der frühen Alpha-Version gesehen, aber das Potential für die Handlung ist klar erkennbar.
Wieder mit an Bord ist dafür Chris Bateman, der bereits am Original mitgewirkt hat und unter anderem auch von Terry Pratchett persönlich für seine Skripte von Discworld II und {Discworld Noir} gelobt wurde. Es gibt ein klar erkennbare humoristische Ebene, die sich immer wieder durch unsere gespaltene Persönlichkeit ergibt. Gleichzeitig macht diese aber eben die Handlung auch so vielschichtig. Unsere Entscheidungen verändern die Geschichte und führen uns entsprechend auch zu unterschiedlichen Enden.

Es gibt fünfzehn verschiedene Charaktere im Spiel, die alle ihre eigene Hintergrundgeschichte, Eigenschaften und Talente haben.
Der bereits angesprochene Wechsel zwischen Schattenwelt und dem Reich der Sterblichen ist vom Entwickler natürlich auch eine ganz wesentliche Spielmechanik integriert. Abgesehen davon, dass sich andere Wege auftun können, kommt dieses Element beispielsweise auch bei Bosskämpfen zum Einsatz. Wir müssen also öfter zwischen unseren drei aktiven Seelen und dem Seelenfresser wechseln, um Aufgaben zu meistern. Auch damit will sich {Shadows: Heretic Kingdoms} von anderen Action-Rollenspielen absetzen.
Ansonsten gibt es natürlich auch diverse Waffen und Rüstungen, die wir finden können. Jeder Charakter verfügt in etwa über eigene 25 Fähigkeiten und Talente, wobei die eingangs beschriebenen für die drei grundsätzlich unterscheidbaren Klassen Krieger, Jäger und Magier stehen. Dazu kommen noch Schadenstypen für Feuer, Wasser, Erde und Luft sowie Besonderheiten für etwa das Tempo, Geschick oder Stärke. Wir haben also relativ viele strategische Möglichkeiten, wenn wir uns ins Abenteuer stürzen.
Und auch wenn jede Seele sein eigenes Levelsystem mit sich bringt und es demnach viel Arbeit macht, auf der Reise alle stärker werden zu lassen, so lohnt sich das doch. Manchmal sind einfach ganz bestimmte Fähigkeiten erforderlich, um besonders effektiv vorgehen zu können oder eine bestimmte Aufgabe überhaupt erst durchführen zu können. Stirbt übrigens einer unser Seelen, so ist das noch nicht das Ende, denn wirklich gelebt haben die Seelen ja ohnehin nicht. Nur bei unserem Seelenfresser, da sollten wir aufpassen.

In den angepeilten 25 Stunden Spielzeit lösen wir kleinere Rätsel und wandern wir durch die vier Regionen Corwenth, Taymuria, die Outlands und die Sura Wastes.
{Shadows: Heretic Kingdoms} wird ein reines Solo-Abenteuer. Das hängt vor allem mit der Art und Weise zusammen, wie die Geschichte erzählt wird und wie die Spielmechaniken funktionieren. In den angepeilten 25 Stunden Spielzeit lösen wir kleinere Rätsel und wandern wir durch typische mittelalterliche Gebiete, es gibt Höhlen und Berge und auch asiatisch angehauchte Welten. Grafisch setzt {Shadows: Heretic Kingdoms} nicht unbedingt Maßstäbe, aber es gibt viele Details und auch einen dynamischen Wechsel zwischen Tag und Nacht.
Und so tritt das Action-Rollenspiel ganz offensichtlich in die Fußstapfen des Vorgängers und will uns vor allem mit der Handlung überzeugen. Die unterschiedlichen Charaktere und der sich daraus ergebende Entscheidungsspielraum könnten {Shadows: Heretic Kingdoms} zu einer einzigartigen Erfahrungen machen. Als Termin ist Jahresende angepeilt, aber bereits in zwei Wochen will man auf Early Access auf Steam starten. Mal schauen, ob wir den Kult noch einmal aufhalten und Menschheit retten können.