Singstar Guitar
Singstar erweitert sein Universum und ergänzt den Karaoke-Wahnsinn um die Möglichkeit, mit einer Plastik-Gitarre ins Spiel einzusteigen. Das neue Feature feiert Sony mit ihrer neuen Scheibe Singstar Guitar. Da ist alles dabei - nur die Gitarre muss man sich noch selber kaufen.
{Singstar} und Gitarren, das kann doch gar nicht zusammen passen. {Singstar}, das ist doch Mainstream, das ist Pop. Und Gitarren, die waren vielleicht vor ein paar Jahren mal kurz ein bisschen hip. Aber wer stellt sich heute wirklich noch mit einer Plastikgitarre vor den Fernseher? Ist da die Luft nicht schon lange raus? Schaut man sich die recht stümperhafte Integration an, glaubt man fast, dass Sony bloß ein bisschen am Hype partizipieren wollte, der da 2007 mit den {Guitar Hero III} und {Rock Band} durchs Land fegte. Einfach das übliche Schema F - heute mal lieblos in Musikvideos kopiert.
Doch noch ganz andere Macken werden deutlich. Wer etwa bereits diverse Songs aus dem Liederladen heruntergeladen hat, darf sich darüber ärgern, dass es die London Studios nicht fertig gebracht haben, einen Filter für untaugliche Stücke zu integrieren. Stattdessen quält man sich mühselig durch die eigene Bibliothek voller gesperrter Songs. Besonders umständlich ist das, wenn man bereits einen Song eines Interpreten der {Singstar Guitar}-Disc ohne dieses Feature erworben hat. Ist dieses Werk im Alphabet vor dem der Gitarren-Variante, erscheint der Künstler trotzdem als gesperrt. Nicht einmal in die Genre-Übersicht wurde diese besondere Spielmechanik integriert. Dabei finden sich dort neben Pop, Rock und Co. bereits Filter für die beiden besonderen Karaokevarianten Rap und Duett.
Außerdem wurde das Spiel offensichtlich gegenüber der Konkurrenz etwas vereinfacht. Es gibt keine Multiplikatoren für lange Noten-Serien. In ihrer Funktion beschnitten wurden in dem Zusammenhang auch die besonderen Noten, die etwa die Star Power bei {Guitar Hero} aktivierten. Statt eine Leiste für den aktivierbaren Zusatzmultiplikator zu füllen, winken einfach nur Bonuspunkte für jede erfolgreich absolvierte Serie. Der Grund für diese Vereinfachung hängt aber wohl hauptsächlich damit zusammen, dass das Multiplizieen von Punkten wenig sinnvoll ist, wenn die maximal zu erreichende Gesamtpunktzahl auf exakt 10.000 Punkte begrenzt ist.

Wie bei {Guitar Hero} und {Rock Band} laufen die zu spielenden Noten von oben ein - je nach Schwierigkeitsgrad mehr oder weniger.
{Singstar Guitar} verzichtet auch auf sonst übliche Extras. Es gibt weder einen Karriere- beziehungsweise Storymodus noch eine üppige Song-Auswahl. Für rund 30 Euro gibt es, wie bei {Singstar} üblich, dreißig Songs, während etwa {Guitar Hero: Warriors of Rock} für 60 Euro über 90 Songs bietet und {Rock Band 3} für 50 Euro mehr als 80 Songs mitliefern wird. Auch die Online-Bibliothek ist mit derzeit neun Songs sehr übersichtlich. Allerdings wird dieses Angebot relativ rasch mit den Updates alle zwei Wochen wachsen. Wer seine Sammlung erweitern will, muss übrigens zunächst die Gesangsvariante für 1,49 Euro und dann das Gitarren-Extra für 50 Cent erwerben.
Doch all das Nörgeln soll und kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass {Singstar Guitar} natürlich auch viele guten Seiten hat. Es vergrößert den Kreis der Menschen, die sich potenziell mit {Singstar} auseinander setzen wollen. Wer sich beim Singen zierte, weil große Furcht vor dem eigenen (nicht vorhandenen) Stimmtalent bestand, traut sich nun vielleicht ein wenig mehr Fingerfertigkeit zu. Bis zu zwei Sänger und zwei Gitarristen sind pro Song möglich. Die Gitarre kann aber auch solo ganz ohne Gesang bespielt werden, genauso wie sich eine Einzelperson ganz ohne Partner beidem, dem Klimpern auf dem Plastikbrett und dem Singen, widmen kann.
Letzteres schafft auch eine ganz besondere Atmosphäre. Wer Melodie und Text im Grunde auswendig kennt, kann die Stimme des Interpreten im Menü ausblenden und sich während des Singens voll auf den Gitarren-Anteil konzentrieren. Diese Momente sind wirklich magisch. Denn obwohl man vielleicht nicht immer den richtigen Ton trifft und eine {Rock Band}- oder {Guitar Hero}-Gitarre nur entfernt mit dem echten Instrument verwandt ist, fühlt es sich echt an. Genau wie bei den Musikspielen mit Instrumenten der Gesang die Spielerfahrung aufwertet, ist es hier die Gitarre, die das Erlebnis mit {Singstar} ungemein intensiviert.

Bis zu vier Spieler musizieren gleichzeitig. Gitarre und Gesang werden in dem Fall wie ein Duett behandelt.
Kritik an der Optik sind zulässig, aber die Integration in {Singstar} hätte wahrscheinlich nicht viel besser sein können. Die Gameplay-Elemente wie das rhythmusbasierte Drücken von Tasten sind schließlich mehr oder weniger vorgegeben - und die wurden eben so gut es ging an die schlichte Optik von {Singstar} angepasst. Und wäre man umgekehrt vorgegangen und man hätte den Gesang wie bei {Guitar Hero} oder {Rock Band} der Gitarre untergeordnet, dann wäre das eigentlich das schlimmere Verbrechen gewesen.
So aber bleibt alles wie gehabt. {Singstar} sieht seine Stärken auch mit dieser Erweiterung bei der Karaoke, das zeigt ebenfalls die Musikauswahl. Nicht ohne Grund gibt es eben trotz Guitar-Zusatz Stücke von Ich + Ich, KT Tunstall und Jamiroquai. Und auch viele der restlichen Songs, darunter Blur, Bloc Party und Muse sind bei den Pop-Fans genauso beliebt. Aber von den wirklichen Rock-Nummern, die {Guitar Hero} seinerzeit so einzigartig gemacht haben, fehlt jede Spur. Dafür ist mit Auletta beispielsweise in der deutschen Fassung von {Singstar Guitar} ein Song, in dem die Gitarre besonders gut zur Geltung kommt - ganz ohne Hardrock.
Verzichten müssen wir in der bei uns erhältlichen Version unter anderem auf Vampire Weekend und Florence and the Machine. Aber wo sich die Briten mit den Veronicas quälen, werden wir von Tokio Hotel heimgesucht. Aber damit gelingt es Sony immerhin {Singstar Guitar} auch jener Zielgruppe schmackhaft zu machen, die möglicherweise nicht viel für {Singstar Guitar} übrig hat, aber den Song "Automatisch" unbedingt in ihrer Sammlung haben will. Denn {Singstar Guitar} zwingt niemanden zum Gitarrenspiel - einfach nur Karaoke ist genauso drin. Und wer umgekehrt schon ganz heiß auf die Plastik-Schrammelei ist, aber Disc-Versionen längst zu den Akten gelegt hat, wird ebenfalls bald mit einer herunterladbaren Erweiterung gelockt. Und so lässt es sich doch mit dem Feature ganz gut leben - trotz aller Macken.

Auch für den Gitarren-Modus gibt es drei Schwierigkeitsstufen - auf Leicht kommen drei Tasten zum Einsatz, auf Mittel vier und auf Schwer alle fünf.
In allen europäischen Fassungen
* 3 Doors Down - Kryptonite
* Bloc Party - Helicopter
* Blur - Song 2
* Colbie Caillat - Bubbly
* David Bowie - The Man Who Sold The World
* Elbow - Grounds For Divorce
* Franz Ferdinand - No You Girls
* Jamiroquai - Too Young To Die
* Kaiser Chiefs - I Predict A Riot
* Kasabian - Fire
* KT Tunstall - Suddenly I See
* Muse - Supermassive Black Hole
* Pulp - Disco 2000
* Queen & David Bowie - Under Pressure
* Stereophonics - Just Looking
* The Clash - Rock The Casbah
* The Cult - She Sells Sanctuary
* The Cure - The Lovecats
* The Raconteurs - Steady As She Goes
* The White Stripes - Fell In Love With A Girl
* Tina Turner - Steamy Windows
* U2 - Beautiful Day
Deutsche Version
* Auletta - Meine Stadt
* Die Toten Hosen - Ertrinken
* Ich + Ich - Pflaster
* Jennifer Rostock - Kopf oder Zahl
* Madsen - Lass die Liebe Regieren
* Revolverheld - Spinner
* The Bosshoss - Go! Go! Go!
* Tokio Hotel - Automatisch
Britische Fassung
* Buzzcocks - Ever Fallen In Love With Someone
* Florence and the Machine - Kiss With a Fist
* Ladyhawke - My Delirium
* Paramore - CrushCrushCrush
* Pixies - Debaser
* The Stone Roses - Waterfall
* The Veronicas - Untouched
* Vampire Weekend - A-punk
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