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The Gunstringer

The Gunstringer

Wir würden lügen, wenn wir behauptet würden, dass man mit den bisherigen Kinect-Games zufrieden sein darf. Abgesehen von einem anständigen Kinect Sports und einem wirklich schönen Dance Central von Harmonix gab es nicht viel, was wir wirklich genießen konnten - gerade als Core-Gamer. Das wird sich ändern.

Um ehrlich zu sein, ist im Moment leider nicht viel am Horizont zu sehen. Aber gerade darum war es fast ein bisschen überraschend, eine Demo-Version von {The Gunstringer} in die Finger zu kriegen. Das ist ein Kinect-Game für Xbox Live Arcade und das erste Spiel für gestandene Spieler, was Kinect zu bieten hat. Twisted Pixel, die Leute hinter {'Splosion Man}, {Comic Jumper} und {The Maw}, haben hierfür ein absurdes Konzept mit einer Zombie-Cowboy-Marionette in den Mittelpunkt gestellt und mit Kinect vermischt. Eine originelle Nummer und dazu eine, die erstaunlich solides Gameplay abliefert.

Die linke Hand hält die Marionette hoch, ganz ähnlich wie das im wirklichen Leben auch wäre. Wird die Hand nach links oder rechts bewegt, folgt die Marionette diesen Bewegungen. Wird die Hand gehoben, hüpft der Cowboy am Faden. Die rechte Hand dient zum permanenten Schießen, indem mit ihr einfach alles automatisch ins Fadenkreuz genommen wird, an dem die Marionette auf Schienen vorbeizieht. Die zehn, vielleicht fünfzehn Minuten im Demo-Level des Rail-Shooters spielen sich extrem glatt und aufpoliert.

Die Spielerfahrung ist überraschend gut. Vielleicht sind es die Aufmachung und der Stil, die nachsichtige Natur bei dieser Art von Gameplay oder eine Mischung aus beidem, den Controller jedenfalls vermisst man keine Sekunde. Ein paar Stationen weiter wartet {Child of Eden}, ein Spiel, bei dem ich den Controller schmerzlich vermisst habe, zumindest anfangs. {The Gunstringer} ist dagegen ein Spiel mit funktionierendem Coregamer-Ansatz und ein Baustein zu dem, was wirklich der Schlüssel zum langfristigen Erfolg für Kinect ist.

Die meisten Gegner agieren nicht, sondern sie sind eher wie Ziele in einer Schießbude.

In vielerlei Hinsicht bietet {The Gunstringer} eine Erfahrung der alten Schule. Es ähnelt ziemlich einem Titel wie zum Beispiel {Space Harrier}. Während es wie auf Schienen die ganze Zeit automatisch vorwärts geht, dürfen wir die ballernde Marionette von links nach rechts hin und her bewegen, um Hindernissen auszuweichen. Die meisten Gegner agieren nicht, sondern sie sind eher wie Ziele in einer Schießbude. Aber einige wenige werden versuchen, die Zombie-Marionette auszuradieren. Von Zeit zu Zeit gibt es Passagen, wo wir uns hinter einer Deckung verschanzen, die Schüsse präzise terminieren und zugleich anfliegenden Kugeln ausweichen müssen. Das alles fühlt sich erstaunlich intuitiv an und ich bin nach wie vor überrascht davon.

Ein nettes kleines Detail ist, wie schön Twisted Pixel das alles hier als Teil eines antiquierten Western-Puppenspiels inszeniert hat. Man sieht zum Beispiel ab und an wie aus Versehen die Hände der Puppenspieler im Set. Die Geschichte enthält an vielen Stellen diesen quasi patentierten Humor von Twisted Pixel. Wenn sie es nun noch schaffen, dem Spiel ausreichend vielfältige Level zu spendieren, dann könnte das hier die perfekte Medizin für die verschnupfte Erfahrung mit Kinect sein.

Denn {The Gunstringer} verkörpert etwas, das wir gern viel öfter mit Kinect erleben wollen. Es ist ein richtiges Spiel, mit viel Humor, einer starken Spielmechanik und einer brillanten Präsentation. Es versucht nicht, ein Shooter für Kinect zu sein, sondern schnitzt sich stattdessen seine eigene, seltsame Zombie-Cowboy-Marionetten-Nische. Und durch die Erfindung eines völlig neuen Steuerungskonzepts entkommt es der Falle, mit anderen Spielen direkt verglichen werden zu müssen.

04 Gamereactor Deutschland
4 / 10