The Shoot
Im jüngsten Move-Titel von Sony, kann jeder sein Potenzial als Actionheld unter Beweis stellen. Mit schnellem Abzugsfinger, flinken Reaktionen und ein bisschen Gespür für den richtigen Einsatz der Power-ups, muss der virtuelle Regisseur beeindruckt werden.
Irgendwie muss ich beim Spielen immer an Kevin Butler denken. Das humorvolle amerikanische Aushängeschild für die Playstation 3 machte sich in einem seiner Clips über Nintendo und Microsoft lustig. Im März sprach dort fiktiv der Kevin Butler vom November 2010 zu uns und erzählte, Move sei genauer und erkennt Bewegungen dreidimensional. Außerdem bietet Sonys Bewegungssteuerung etwas, "dass wir in der Zukunft Buttons nennen". Dazu formte er kopfschüttelnd seine Hände zu Pistolen und schoss wie ein Kleinkind in der Gegend herum. Ein fieser Hieb gegen Microsoft: Kinect wird ohne einen Controller Schwierigkeiten haben, ein Spiel wie {The Shoot} umzusetzen.
Dabei ist das nicht einmal etwas besonders Komplexes - wie klassisches Blechdosenschießen, während sich der Charakter automatisiert auf Schienen durch das Level bewegt. Aber Rail-Shooter sind tatsächlich wie gemacht für Playstation Move. Das Genre war schon auf der Wii beliebt und brachte einige interessante Spiele hervor. Auf der Playstation 3 versucht es Sony eher familienfreundlich und macht uns zum Filmstar. Auf fünf verschiedenen Filmsets mit je vier Abschnitten gilt es dem Regisseur zu gefallen und möglichst viele Schurken, aufgemalt auf Holz, abzuknallen. Mit dabei sind Western, Science-Fiction, Horror, Unterwasser-Abenteuer und ein Gangster-Thema.
{The Shoot} funktioniert dabei im Grunde trotzdem nicht anders als die Genre-Kollegen. Der Regisseur ist eine Form von Lebensanzeige, die bei zu vielen Fehlern immer kleiner wird und irgendwann das Spiel beendet. Die Gegner können plötzlich von überall her auf dem Bildschirm auftauchen und sind in der Regel mit einem Schuss erledigt. Manche benötigen einen Kopfschuss, wenige sind stärker und müssen mit mehreren gut platzierten Kugeln ausgeschaltet werden. Daneben existieren auch Ziele wie Fässer mit Sprengstoff, welche Einfluss auf Spielumgebung haben. Und natürlich gibt es Zivilisten, die keinesfalls abgeschossen werden dürfen, da es sonst Minuspunkte gibt.

Optisch und spielerisch ist The Shoot zwar schlicht, doch zumindest kurzweilig - mehr aber leider nicht.
Wer zu viele davon sammelt, der stirbt bei {The Shoot} aber nicht - wir erinnern uns, das Spiel ist familienfreundlich - sondern der Regisseur macht lediglich einen Schnitt. Drei Versuche werden insgesamt gewährt, danach reißt ihm der Geduldsfaden und das Filmset muss von vorn gespielt werden. Belohnt wird im Spiel umgekehrt ausdauernde Genauigkeit. Wer nicht daneben schießt, macht der Regisseur glücklich und erhöht kontinuierlich seinen Multiplikator. Außerdem gibt es drei spezielle Power-ups, die sich immer nach einer bestimmten Zahl von Kombo-Treffern freischalten.
Die Move-Steuerung macht sich jedoch nicht nur beim Zielen auf den Bildschirm bemerkbar, sondern wird auch durch besondere Bewegungen ergänzt. Wird ein Gegenstand nach uns geworfen, kann dem durch das Bewegen des Controllers nach links oder rechts ausgewichen werden. Steht ein Gegner nah vor uns, können wir ihn optional mit einer Handbewegungen ausschalten. Obendrauf gibt es die drei angesprochenen Power-ups. Eine 360-Grad-Drehung verursacht eine zeitlich begrenzte Zeitlupe, ein Schuss nach unten vernichtet alle auf dem Bildschirm befindlichen Ziele und ein Schuss nach oben löst einen Berserker-Modus mit Dauerfeuer aus. Alle drei Power-ups stehen nur begrenzt zur Verfügung.
Die Steuerung funktioniert überwiegend bestens, auch weil es vor dem Spielstart immer eine kurze Kalibrierung gibt. Im Sitzen jedoch machen die Power-ups einige Probleme und werden meist nicht korrekt erkannt. Da lässt sich die Zeitlupe eigentlich durch das Imitieren vom Lasso-Schwingen aktivieren, viel häufiger wird jedoch ungewollt ein Schlag ausgelöst. Und wenn es dann plötzlich dadurch einen Zivilisten trifft, ist der Ärger groß. Außerdem ist es ärgerlich, dass die Ladezeiten auch bei diesem Move-Titel unerträglich lang sind. Sony scheint da ernsthafte Probleme zu haben, die dringend behoben werden sollten.
Gespielt werden kann The Shoot übrigens auch zu zweit, was den Spielspaß entsprechend erhöht. An Umfang mangelt es dennoch. Jedes Filmset ist in ungefähr einer halben Stunde abgefrühstückt, der Herausforderungs- und Score-Attack-Modus erweitern das Spiel nicht wesentlich. Andere Titel kaschieren eine solche Unzulänglichkeit mit einer witzigen Story, aber trotz der netten Filmstar-Idee bleibt das Spiel blass und eher langweilig. Seine Fans wird die Ballerei am Ende wahrscheinlich dennoch finden, aber auch {The Shoot} verschenkt wie die meisten anderen Move-Titel, sein Potential.
Gamereactor Deutschland