The Sojourn
Die Welt von The Sojourn wird von Licht und Schatten bestimmt, wir sind in das Rätsel-Abenteuer eingetaucht und wurden mit kniffligen Rätseln und kryptischen Weisheiten belohnt.

In 17 Tutorial-Bereichen erlernen wir die grundlegenden Mechaniken von {The Sojourn}.
Zwei Lichtwesen weisen uns den Weg durch das erste Spiel von Shifting Tides. Wir wissen weder wer wir sind, noch was wir hier eigentlich wollen. Die Umgebung baut sich kontinuierlich auf und vor uns erblicken wir eine Statue aus Stein. Abgebildet sind eine Frau und ihr Mann, sie halten ihr Neugeborenes in den Händen. Die Augen der Eltern sind mit einer Augenbinde versperrt, kurz darauf werden wir mit unserem ersten Rätsel konfrontiert. Wer darauf wartet, dass sich die Geschichte von {The Sojourn} erklärt, wird enttäuscht.
Wir wollen direkt bei den Rätseln beginnen, denn in seinen Herzen ist {The Sojourn} durch und durch ein Puzzle. Die Entwickler haben sich sichtlich Mühe gegeben, den Einstieg in das Spiel so angenehm wie nur möglich zu gestalten. Innerhalb der ersten Spielstunde lernen wir in 17 Leveln die Grundlagen des Spiels und die Logik der Spielwelt kennen. In jedem neuen Bereich muss ein eingefangenes Lichtwesen befreit werden. Der Weg zum besagten Wesen ist jedoch durch kaputte Brücken und Abhänge versperrt, die es zu überwinden gilt.
Unseren Standpunkt im Level wechseln wir mit Hilfe von Statuen und spezielle Teleport-Kapseln ermöglichen es uns, gleichzeitig an mehreren Orten zu sein (unsere Spielfigur wird dadurch verdoppelt). Besonders wichtig ist der Wechsel in die Schattenwelt, denn dort sehen wir Verbindungen, die anderweitig verborgen sind. Viele Spielelemente können wir dort manipulieren, beispielsweise ist es uns nur in der Schattenebene möglich die besagten Abhänge zu überqueren. Unsere Zeit in diesem düsteren Abbild der Realität ist jedoch auf unsere Bewegungen abgestimmt - laufen wir zu weit, wechseln wir automatisch zurück. Der allgemein beschränkte Bewegungsgrad und das Manipulieren einzelner Umgebungselemente erinnern oft an eine abstrakte First-Person-Version von Schach.

Der hübsche visuelle Stil täuscht nicht darüber hinweg, dass die Geschichte leider etwas hakt.
Im Laufe des Spiels steigen die Komplexität und das Niveau der Rätsel enorm an. Mechaniken die wir zuvor gelernt haben, müssen nun miteinander kombiniert werden, um das jeweilige Ziel zu erreichen. Die Mechaniken fühlen sich sehr rund an und die Rekombination einzelner Elemente sorgt dafür, dass wir stets vor neuen Kopfnüssen stehen. Im Bereich der Rätsel macht {The Sojourn} also alles richtig, um Genre-Fans auf Trab zu halten.
Weniger gut klappt dafür die kryptische Erzählweise des Spiels: Diese ist vergleichbar mit Spielen, wie {The Witness}, nur noch einmal ein Stück mysteriöser. In einem Video erklärt Shifting Tides: ''{The Sojourn} beinhaltet abstrakte Philosophie und viele Metaphern, die sich auch in den Mechaniken des Spiels widerspiegeln. Alles was ihr seht spiegelt eine Vielzahl tiefer Bedeutungen basierend auf die Erfahrungen des Leben an sich wider.'' Im Grunde genommen fordern uns die Entwickler also dazu auf, uns eine eigene Geschichte zusammenzureimen. Einen richtigen Anreiz haben wir dafür allerdings nie gefunden, die Geschichte erschien uns schlichtweg nicht interessant genug. Bei der Verbindung zwischen den Rätseln und der Hintergrundgeschichte scheitert {The Sojourn} deshalb leider.
Rätselspiele leben aber bekanntlich eh von ihren ''Aha!''-Momenten, die wir erleben, sobald wir ein besonders schwieriges Rätsel endlich gelöst haben. Wenn sich all der aufgeschobene Frust in Stolz umwandelt und wir nach 45 Minuten schlussendlich ein Rätsel knacken, dann strahlt {The Sojourn}. Bis auf diesen tollen Augenblick gibt es aber leider keine sonstige Belohnung - die Entwickler lassen uns mit leeren Händen stehen. Als einziger Trost dienen gewisse Bonusaufgaben, die sich innerhalb des Levels materialisieren, sobald wir das Lichtwesen befreit haben. Wenn wir auch die Bonusaufgabe gelöst haben, erhalten wir zum Dank eine Schriftrolle, doch die konnte uns nur selten begeistern. Klischeehafte Weisheiten aus Glückskeksen trösten kaum über die zusätzliche Arbeit hinweg, die wir in die Bonusaufgaben stecken können - das ist alles ein wenig sinnlos.
{The Sojourn} ist ein anregendes Puzzlespiel mit schöner visueller Ästhetik. Die einzelnen Gameplay-Elemente, die uns sorgfältig vorgestellt werden, erschaffen in Kombination knifflige Rätsel, die uns als Spieler ordentlich herausfordern. Bei der Verbindung zwischen Gameplay und Geschichte scheitert das Spiel jedoch, die kryptische Hintergrundgeschichte und die seltsamen Weisheiten am Ende jedes Levels hinterlassen eher einen üblen Beigeschmack, als dass sie etwas zur Spielerfahrung beitragen. Als Rätselspiel ist {The Sojourn} ein voller Erfolg, wer mehr erwartet, wird jedoch enttäuscht.

Die Puzzle werden im Verlauf des Spiels ziemlich schwierig und herausfordernd.
Gamereactor Deutschland