Zeit²
Es braucht eigentlich nicht viel, damit man Spaß mit einem Videospiel hat. Ein Raumschiff reicht - und es muss nicht einmal wirklich wie eines aussehen. Dazu von rechts einfliegende Gegner und ein Zähler, der die Punkte registriert, Abschuss für Abschuss. Damit man richtig viel Spaß hat, braucht es aber neue Ideen. Menschen funktionieren so, und Videospieler fordern mehr noch als andere Medienkonsumenten immer etwas Neues.
{Zeit²} ist auf den ersten Blick ein Weltraumshooter alter Schule. 2D-Sidescroller, schlichte Grafik, eine Eizelle als Fortbewegungsmittel und dazu ein eingängiger, sich wiederholender Sound. Dieses klassische Setting aber haben die Entwickler des kleinen Berliner Studios Brightside Games mit eigenen und schlau entliehenen Ideen zu etwas Neuem ausgebaut. "Das Seasoning ist Zeitreise", würde Wolfgang Joop seinem neuen Freund Bill Kaulitz das Spiel vermutlich erklären.
In {Zeit²} kann man die Zeit vor- und zurückspulen mit einem Tastendruck - und je nachdem, wie lange man drückt, so lange wird gespult. Dabei kann die zeitreisende Kopie von einem selbst, die als schwarzer Schatten erscheint, aber weiterschießen in der Gegenwart und Vergangenheit, so dass sich die Raumschiffe in beiden Zeitebenen gegenseitig helfen können. Angriffe aus Vergangenheit und Gegenwart lassen sich miteinander kombinieren. Wenn man etwa seinen schwarzen Schatten mit dem mächtigen Horizontal-Beam des Gegenwartsraumschiff beschießt, dann feuert der Beam aus der Kopie heraus auch in die Vertikale hoch. Von dieser Art zeitgemäßer Kooperationen gibt's einige.
Die Gegner müssen natürlich abgeschossen werden wie in jedem Shooter. Um die Sache komplizierter zu gestalten, haben die Entwickler aber kein klassisches Konzept mit drei Leben und Continues aufgesetzt. Stattdessen saugen manche der nicht abgeschossenen Gegner im Vorbeifliegen unsere kostbare Lebensenergie ab, von der man bis zu 200 Prozent ansammeln kann. Schaden erleiden, ohne direkt angeschossen zu werden, das ist schlau. Ballern kostet auch (etwas) Lebensenergie, abgeschossene Gegner füllen sie im Gegenzug wieder auf. Stumpfes Dauerfeuer ist also keine Option, nachdenken und schlau schießen dagegen dringend angezeigt.

Zwei Raumschiffe aus zwei Zeitzonen erledigen gemeinsam von einer Person gesteuert ihre Gegner.
Gelegentliche Power-ups füllen die Lebens- und Zeitreiseenergie auf, es gibt auch eine Bombe, die den Schirm von allen Gegnern auf einmal befreit. Manchmal muss man auch die Zeit zurückspulen, um Gegner abschießen zu können, die in einer Zeitschleife gefangen sind. Während der 20 Kapitel des Arcade-Modus warten acht Endgegner, die einen hart fordern, aber dann doch nicht so kreativ scheinen wie etwa bei der Sidescroll-Legende {Gradius V}.
Auf den ersten Blick denkt man ohnehin, dass {Zeit²} ein ziemlich gelungener Mischmasch aus erfolgreichen 2D-Sidescrollshootern und anderen kleinen und großen Hits ist. Manches ist offensichtlich ausgeliehen, etwa die Bomben, die beim Durchfliegen den ganzen Bildschirm räumen und der Grafikstil ({Geometry Wars} ) oder die Idee mit der Zeitreise, die wir etwa bei {Braid} in einem Jump'n'Run schon gesehen haben. Aber das alles in einem Shooter unterzubringen, ist wirklich neu, spannend und fühlt sich ziemlich gut an.
Sechs Modi sind am Start: Arcade, Wave, Time Limit, Survival, Tactics und Score Attack. Dazu gesellen sich 70 Miniherausforderungen im Off, die in allen Modi erfüllbar sind. Die Modi schalten sich nach und nach durch das spielen des Arcademodus frei, ein feines Anreizsystem. Die Highscorelisten sowieso, was besonders den Wave-Modus interessant macht. Und wer das grundsätzliche Spielkonzept gemeistert hat (was sehr schnell geht), fängt sowieso bald an, das Tempo des Spiels zu verändern und die Punkte mit Hilfe der Vorspulfunktion nach oben zu treiben. Denn schneller spielen bringt bessere Scores, eine häufig genug tödliche Kombination, die uns ab dem 5. Januar 2011 für Xbox Live Arcade und einige Tage später auch als Download für PC in den Wahnsinn treiben will.
Gamereactor Deutschland