Zenonia
Rollenspiele und das Super Nintendo, das waren zwei Dinge, die passten zusammen wie Pech und Schwefel. Bis heute gibt es Anhänger der 16-Bit-Ära, die jedes neue Spiel aufsaugen, inhalieren bis zur Besinnungslosigkeit. Gamevil hat Iphone-Besitzern bereits neuen Stoff für ihre Sucht besorgt. Jetzt kommen Nintendo DSi-Besitzer in den Genuss von Zenonia.
{Zenonia} ist ein Witz. Wirklich, es ist eine echte Lachnummer. Das geht schon mit dem Helden des Spiels los. Der nämlich heißt - der Titel ist übrigens komplett in Englisch - Regret. Den Namen hat der Junge von seinem Ziehvater, der ihn als Baby im Kampf gegen die Dämonen fand. Für die scheint das Kind ebenfalls sehr wichtig zu sein, also traf der Mann eine Entscheidung, ließ Frau, Kinder und einen ruhmreichen Job im Dienste des Königs sausen. Alles nur, um den Jungen großzuziehen. Als er dann irgendwann im Kampf gegen einen mächtigen Dämonen stirbt, sagt er nur, dass er wüsste, dass dieser Tag irgendwann kommen würde. "Ich bereue nichts", das allerdings kommt nicht über seine Lippen.
Und so zieht sich eine dicke Spur voller offensichtlicher Anspielungen und Naivitäten durch das gesamte Spiel. Viele Charaktere tragen eindeutige Namen und die Dialoge sind oft einfach nur urkomisch. "Was ist nur falsch an der Jugend von heute... Schau dir nur die Sachen an, die du trägst", meint etwa ein alter Mann zu uns, der gerade von seinem Liebhaber verlassen wurde. Dazu wird uns eine Geschichte mit Gut und Böse vorgegaukelt und der Held tut tapfer so, als würde er nicht verstehen, worum es eigentlich geht.
Trotz der unterhaltsamen Story trägt sich das Spiel aber genauso über das Gameplay. In den (wirklich) vielen Stunden Spielzeit gibt es so viel zu erleben und trotzdem der Titel nur digital vertrieben wird, ist er ziemlich auspoliert. Neben dem Haupthandlungsstrang gibt es etliche Nebenaufgaben, wobei beides auch davon abhängig ist, wie böse oder gut wir sind. Und trotz der nostalgischen Oberfläche gibt es eher aus der heutigen Zeit übliche Features wie eine Quest-Übersicht mit den dazugehörigen Informationen und eine Karte. Dass der relativ anspruchsvolle Schwierigkeitsgrad das Grinden bzw. Hochleveln des Helden nötig macht - geschenkt!

Über 40 Stunden Spielzeit mit einer sehr ironischen Geschichte warten auf geneigte Rollenspieler.
Die Kämpfe in Echtzeit gehen nämlich schwer in Ordnung. Zum Einsatz kommen entsprechend zur jeweiligen Charakterklasse passende Waffen oder auch kleine unterstützende Fähigkeiten, die über das Skill-System mit der Zeit erlernt werden können. Das klingt ziemlich simpel, aber macht zwischen dem Smalltalk in Städten und Dörfern trotzdem eine Menge Spaß. Außerdem ist die Monsterauswahl für so einen Titel erstaunlich abwechslungsreich. Denn obwohl die Mehrzahl mit wechselnden Farben wiederverwertet werden, überwiegt insgesamt die Vielfalt. Besiegte Monster lassen übrigens wie üblich ab und zu Gegenstände, aber auch so manchen Schatz fallen.
Ausrüstungsgegenstände sind wichtig, um den eigenen Charakter optimal zu verstärken. Im Kampf aber werden sie beschädigt und müssen repariert werden. Da sie sich dabei aber immer etwas abnutzen, können wir uns nicht einfach auf das verlassen, was wir gerade am Körper tragen, sondern müssen immer auf der Suche nach etwas Neuem sein oder Dinge beim Schmied zu einem neuen Gegenstand verschmelzen. Zu viel mit herumschleppen geht aber auch nicht, da die Laufgeschwindigkeit wegen Übergewicht sonst rapide abnimmt. Keine schöne Sache und gerade für die ganz eifrigen Sammler sicher immer wieder ein Ärgernis - aber immerhin eines, das einen herausfordert.
{Zenonia} ist wirklich erstaunlich. So viele kleine Geheimnisse, verschiedene Gegenstände und Möglichkeiten in einem Downloadtitel sind überraschend. Wie eine komprimierte Mischung aus zum Beispiel {Secret of Mana} und Diablo wirkt das. Dazu die hübsche 2D-Grafik mit ihren großartigen Sprites, die uns in eine Zeit zurückversetzt, die viele so sehr geliebt haben. Musikalisch geht der Titel Hand in Hand mit der Optik und untermalt oft fabelhaft die kuriosen Situationen. Das hierfür 800 Nintendo Points fällig sind, stört kaum und das obwohl es im Appstore für das Iphone inzwischen deutlich günstiger zu haben ist. Wer sich Rollenspieler schimpft, sollte darauf auf jeden Fall einen Blick werfen.
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